Full text : Die deutsche Krüppelfürsorge am Ende des Jahres 1910

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Auch die obere Grenze der Pflegegelder hat sich gehoben. Zwar
kommt das billigste Heim immer noch mit 120 M. Jährlich aus, dafür
nimmt das teuerste, das außerdem noch in I. bzw. II. Klasse Preise von
10 bzw. 6 M. täglich kennt, jetzt jährlich 1095 M. in der III. Klasse.
Im Durchschnitt beträgt der jährliche Pflegesatz jetzt 415 M. gegenüber
381 M. in 1908. Das ist mit Freuden zu begrüßen. Die öffentlichen
Geldgeber sollten nirgendwo unter dem ortsüblichen Krankenhaussatz
zahlen.
An Freistellen sind ausdrücklich 567 ganze, 18 halbe, eine ?4-Freistelle
 vermerkt; in Angerburg sind sämtliche 400 Plätze Freistellen; doch
geben noch weitere 6 Heime an, daß auch sie das Kostgeld häufig ganz
der teilweise erlassen.
Leiter der verschiedenen Anstalten oder Fürsorgestellen ist 21mal
ein Geistlicher, 5mal ein Arzt, 2mal ein Lehrer, 11mal ein Laie in
seiner Eigenschaft als Vorsitzender des besitzenden Vereins, 6mal eine
Schwester.
Einen besonders erfreulichen Aufschwung hat der Umfang der ärztlichen
 Tätigkeit genommen. Überall ist ein Arzt oder mehrere zur Verfügung;
 kein Heim mehr entbehrt regelmäßiger ärztlicher Hilfe. Vielfach
ist es der Arzt des betreffenden kleinen Ortes oder Dorfes, daneben
stehen zahlreiche Namen mit gutem Klang in der operativen Welt, u. a
ein ordentlicher Professor für Chirurgie. An 21 Stellen wirken Spezialärzte
 für orthopädische Chirurgie (darunter 4 Professoren), 3mal teilen
sich je 2 in die Leitung. An 22 Anstalten sind eigne Operationssäle
vorhanden (in dreien sogar je 2); 5 Heime lassen ihre Operationen in
einem nahegelegenen Krankenhaus desselben Ortes ausführen, 2 schicken
ihre Kranken zur Operation in andre Orte. 13 Heime (gegenüber 8 in
1908) verfügen über eigne Assistenten für Behandlung der Krüppel,
davon drei über 2, eins über 3. Eine Anstalt hat 2, eine 1 Medizinalpraktikanten.
 Elfmal werden Consiliari angegeben (7 in 1908), deren Zahl
von 1 bis 6 schwankt; ja die Nürnberger Fürsorgestelle hat 9 Chirurgen
bzw. Orthopäden und 4 andre Spezialärzte, die dort in einer Art von
Genossenschaft arbeiten. Die Zahl der medikomechanischen Einrichtungen
ist von 15 auf 25, die der Röntgenlaboratorien von 4 auf 19, die der
orthopädischen Werkstätten von 4 auf 16 gestiegen und während es 1908
nur 3 Polikliniken gab, werden jetzt deren 16 aufgeführt — ein gewiß
hocherfreuliches Zeichen für die Entwicklung der ambulanten Krüppelfürsorge
 und Prophylaxe.
Auch die pädagogische Versorgung der Anstalten hat eine wesentliche
Vertiefung und Verbreiterung erfahren. Von den in der Tabelle angeführten
50 Anstalten für Krüppelfürsorge kommen für die Tätigkeit der Pädazogen
 4 Anstalten nicht in Frage, da sie nur die orthopädische Behandlung
ausführen oder Beratungsstellen sind; weitere 4 Anstalten haben nur der
Schule entwachsene Zöglinge, die einen Fortbildungsschul-Unterricht erhalten.
 1 Anstalt, die nur Kinder bis zum 10. Jahre aufnimmt, verfügt
über keine Schulveranstaltungen; in zwei neuerrichteten Anstalten sind
die Schulklassen noch im Entstehen. Von den verbleibenden 39 Anstalten
werden 35 Schulen mit 66 Klassen für geistig normale Krüppel unter-