Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Unter den Gesinnungsfreunden Reventlows sehen
manche sogar in Wilhelm II. ein Organ der angeblichen
Weltverschwörung, eines geheimen Zusammenschlusses des
Judentums.
Er soll nach ihnen jüdisches Blut in den Adern tragen
und darum auch nach Nomadenart so eifrig im Reisen
gewesen sein.
Absichten sind nicht sichtbar zu vergegenständlichen.
Gesinnungen sind nicht auf den Tisch zu legen. Handlungen
 sind immer vieldeutigen Auslegungen ausgesetzt.
Darin liegt ja die Möglichkeit der „Haßmaschinerien“ des
Parteilebens begründet. Die gesamte Politik haftet
an Kombinationen über geheime Willensrichtungen. Jede
Partei spricht sich selber die lautersten Beweggründe zu,
dem Gegner alles Arge. Es ist das Adelszeichen des red⸗
lichen Denkers, daß er alle auf unbestimmte Vermutungen
gestützten Berdächtigungen ablehnt. Wenn der Monarchismus
 heute damit arbeitet, so muß es arg um seine Gründe
bestellt sein.
Mit Gefühlen baut man keine Staaten.
Einige Jahre vor dem Weltkriege verlangten einige
Alldeutsche von dem deutschen Kaiser, daß er die Juden
unter ein Ausnahmegesetz stelle, um dadurch in innigere
Solidarität mit dem Russentum zu treten. Sie schmie⸗
deten damit also ein monarchistisches Komplott gegen die
demokratischen und liberalen Strömungen.
In den völkischen Gruppen breitete sich ein buntes
Ordenswesen aus, das antisemitische Gesinnungen pflegte.
Dieselben Männer, die von dem organisierten Ge—
heimwesen des Freimaurerordens fabeln, ohne die Ewig⸗

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