heimgesuchte Volk ein Fazit über den Segen und Fluch
des Monarchismus ziehen darf, das nicht günstig für ihn
ausfällt, das ist immer noch für die Nutznießer der Machtromantik
ein so schwer vollziehbarer Gedanke, daß sie wie
der sonst so grundgescheite, allerdings fanatische Graf Ernst
zu Reventlow Märchengeschichten im Stile des berühm—
ten Taxil aushecken.
Vor allem die bösen „Freimaurer“ sollen es gewesen
sein, die den Untergang Deutschlands angezettelt haben.
„Woher kam es,“ fragt Reventlow, „daß im siebz iger
Kriege die europäische Freimaurerei Kaiser Wilhelm zum
Tode verurteilte und der wütende Feind des monarchischen
Deutschen Reiches war?“
Muß man Reventlow noch sagen, daß die
Kaiser Wilhelm J. und Friedrich III. Freimaurer
waren, daß Herder, Goethe und der alldeutsche Orauf⸗
gänger Blücher, die deutschen Geistesheroen Fichte und
Mozart dem Freimaurerorden angehörten?
Soziologisch gesehen, sind solche Phantasien äußerst
durchsichtig.
Schon die römischen Latifundienbesitzer und Impe—⸗
rialisten wälzten die Schuld für alle Verhängnisse des
Staates auf die geheime Gesellschaft der Christen ab,
denen sie Unzucht, Ritualmorde und auf Grund des
Abendmahls Menschenfresserei nachsagten.
Im Mittelater bezichtigte man dem Tempelorden
gottloser Ketzereien und der schwarzen Magie, um einen
Sündenbock zu finden.
*) Ernst Reventlow: Oeutschland vor Gericht. Süddeutjche
Monatshefte, Heft 3, München⸗Berlin.
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