Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Erlebnisse stets mit dem Grundton des Mißtrauens her—
vor, der ganz unwillkürlich das gesamte Verhalten des
Kaisers zu seinen Ratgebern färbte, und den er zwar
immer verdrängte, so gut er es vermochte, der aber in
der Erinnerung sofort wieder durchklang.
Der Krüppel trägt immer irgendwie nach.
Die Wehgefühle seiner Hemmung trüben sein Arteil.
Selbst in der zweiten Balkonrede vom 1. August 1014,
als die Versöhnung der Parteien angebahnt werden sollte,
konnte der Kaiser nicht die Bemerkung unterdrücken:
„In Friedenszeiten hat mich ja wohl die eine oder die
andere Partei angegriffen.“
Das wollte er nun „von ganzem Herzen verzeihen“
Aber daß der Kaiser darauf noch einmal wieder zurück⸗
tam, ist für den Krüppelkenner kennzeichnend.
Er dachte nicht daran, daß auch er für so manchen
ungerechten Ausfall gegen ehrliche Gegner um Ver—
zeihung für sich zu bitten hatte.
Immerhin sprach der Hohenzoller nach der Vorlesung
der Thronrede im Weißen Saale das befreiende Wort:
„Ich wiederhole, ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne
nur noch Deutsche.“
Allerdings war auch diese ihm abgepreßte Wendung
mehr rhetorisch als nachhaltender Überzeugungsausdruck.
Die Auguststimmung von 1014 riß auch ihn fort, aber
in seinem Unterbewußtsein schichteten sich doch weiterhin
all die Argwohnsschlacken auf, die nach dem üblen Auszange
 des grausigen Krieges nach oben trieben.
Ein nicht immer schon krankhaft Mißtrauischer
konnte sich nicht in Konflikten, die er durch eigenes Orängen

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