Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

vom echten Können mit dem Bewußtsein der Freiwilligkeit
aufgefaßt, mit beglückendem Freigefühl vollendet wird.
Darum sagt Rodin mit Recht: „Wir üben die Kunst so
aus, wie wir, und nicht die anderen es wollen.“
Nichts ist künstlerischen Naturen verhaßter als Willkür,
die von außen her an sie herantritt.
Auch der Kaiser wollte nicht, daß man Maßstäbe an
sein Amt anlegte, die nicht daraus erwuchsen. Er wollte
freier Tatkünstler des Regierens sein, unabhängig von
jedem Einspruch, der von außen her, von Nichtverstän⸗
digen erhoben werde.
In seiner Ansprache vom 28. November 1902 in Gör⸗
litz sagte er: „Freiheit für das Denken, Freiheit in der
Weiterbildung der Religion und Freiheit für unsere
wissenschaftliche Forschung, das ist die Freiheit, die Ich dem
deutschen Volke wünsche und ihm erkämpfen möchte, aber
nicht die Freiheit, sich nach Belieben schlecht zu regieren.“
Sollten die deutschen Künstler nicht auch der Eigengesetzlichkeit
 ihres Gestaltens mit innerer Freiheit dienen
dürfen?
Die Unfolgerichtigkeit des kaiserlichen Oenkens, hier
wie überall sonst, ist unverständlich, wenn man nicht den
Krüppelkrampf der Selbstbetonung zur Erklärung mit
heranzieht.
Als Psychopath allein hätte er sich in der Würdigung
der Kunst kaum so schwer vergriffen. Der Hohenzoller
fühlte sich durch die künstlerische Freiheit im Herrentrotz
oerletzt, an dem sich der Krüppel in ihm aufrichtete.
Psychopathen wie Hölderlin und Nietzsche fiebern
nach einem Göttlichen, dem sie sich opfern können, nach

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