fügt, in starrer, lebloser Form, steht das Schiff vor uns,
bereit zum Ablaufe. Seine Linien sind kaum dem Schön⸗
heitsgefühle des Beschauers entsprechend, und doch im
Augenblicke, wo es in die See hinabrauscht, wo es sich
mit der Tiefe vermählt, gewinnt es Leben und Lebens—
kraft ...“ GBei der Taufe des Linienschiffes „Ersatz König
Wilhelm“. Kiel, 1. Juni 1899.)
Durch Außerungen solcher Art gewann sich Wil—
helm II. das Herz eines so bedeutenden Oemokraten wie
Friedrich Naumann.
Aber dann trumpfte wieder der Krüppel auf, wie am
18. Oktober 1904 bei Gelegenheit der Einweihung des
Kaiser⸗Friedrich Nuseums in Berlin. Da hieß es:
„Darum kann es nicht richtig sein, wenn jüngere Schüler
sich von der alten Tradition und der alten Schule lossagen.“
Der Trotzkrüppel vergaß, daß der Künstler nur einen
Herrn hat: sein Werk. Das ragt über sein Ich hinaus,
das steht mit überselbstlichen Anforderungen als Mensch—
heitsaufgabe über seiner Willkür. Er weiß im Augen⸗
blicke des vollen und echten Schaffens nichts von der
Treue oder Untreue gegenüber der Tradition. Er ist dem
Formgedanken verfallen, der nach äußerer Gestaltung
verlangt. Er folgt dann keiner ‚Kichtung“ oder „Gegen—
richtung“, keinem „Programm“, sondern dem Genius, der
traditionsfröhnige oder überlieferungsfeindliche Be—
wegungen lächelnd schalten läßt.
Die schöpferische Phantasie ist so exakt in ihrer Sach—
lichkeit, nur auf andere Art auf ihrem Boden, als wissen—
schaftliche Forschung. Das wunderbar Erlösende im Ge—
stalten liegt aber darin, daß das künstlerisch Notwendige
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