Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Gewitterkopf des grßen Kurfürsten wieder auftauchen“,
sondern war nur ein krankhafter Ausdruck des Betonungs⸗
dranges, wie ihn Krüppel an hervorragenden Stellen
immer wieder zeigen.
Begabten Psychopathen gelingt das Künstlerische in
solchen Veranstaltungen durchweg besser.
Sie werden auch mehr von den Schönheitswerten der
Kunst selbst erfaßt, als daß sie sich in Selbstbetonung so
streng hineinschrauben wie der Kaiser.
Ein Ludwig II., ein Hölderlin, ein Nietzsche beteten
die Kunst als überindividuelle Lebensmacht an.
Mochten auch sie dem Größenwahn in anderen Rich⸗
tungen verfallen, der Kunst gegenüber waren sie zur
völligen Hingebung, nicht zu herrischem Auftrumpfer
gestimmt.
Der Hohenzoller kannte infolge seines Gebrechens
keine volle Hingabe an die Kunst.
Am Beginn des neuen Jahrhunderts sprach er anläßlich
 der Sezession: „Eine Kunst, die sich über die von mir
festgesetzten Grenzen hinaussetzt, ist keine Kunst mehr.“
Ein echtes Krüppelwort!
Wo bliebe die Fortgestaltung des künstlerischen
Könnens, wenn die Erzeuger neuer Schönheitswelten
nicht wie Rodin denken würden: „Wir üben die Kunst so
aus, wie wir, und nicht wie andere es wollen.“
Der Kaiser hielt sich als Redner ja auch nicht an die
„unerreichbaren klassischen Vorbilder,“ die er den deut⸗
schen Künstlern rühmte.
Wie liebevoll versenkte er sich in die antiken Rhetoren
fremde Poesie des fahrenden Schiffes! „Aus Erz ge—

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