deuten soll, dann waren Luther, Kant, Goethe und
Ibsen, der da sagt: „Dichten heißt Gerichtstag über sich
selber halten,“ auch Wahnsinnige.
Or. Tesdorpf mag ein bedeutender Psychiater sein,
ein Psychologe ist er nicht.
Wilhelm II. darf eine Anklage, die auf so schwachen
Füßen steht und im Gewande eines verletzenden Mitleids
dem ringenden Menschen im Kaiser so wenig Ehrfurcht
entgegenbringt, mit Fug und Recht von sich weisen.
Allerdings konnte eine so geartete Persönlichkeit auch
die Verantwortung, die nun einmal auf den Schultern
des Monarchen eines Großstaates ruht, nicht tragen.
gier setzte die ganze Tragik für den Hohenzollern und
für uns alle ein.
In diesem Falle konnte auch die Kunst nicht Heilung
bringen, wie bei manchen viel ausgesprocheneren Psycho—
pathen.
Er war nur in dem Maße für ästhetische Momente zu⸗
gängig, als sie seinem Orange entgegen kamen, überall,
wo es feierlich zuging, wo die Regie Bedeutung hatte, im
Mittelpunkte zu stehen, an bunten Uniformen zu bauen,
als Ordensritter farbige Ehrenzeichen gnadenvoll zu
spenden, als höchster Bischof seines Landes dekorativ vor
der Welt zu prangen. Alle diese Momente waren jedoch
kein Ausdruck einer genial-künstlerischen Stimmung, das
machte ihn auch nicht wie Langbehn in seinem Rembrandt⸗
Buche*) meint, zu einer „Figur von Shakespearescher
Pracht und Größe der Erscheinung“, ließ keineswegs „den
) Rembrandt als Erzieher: Von einem Deutschen. Verlag
C. L. Hirschfeld.
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