Paul Tesdorpf aus einzelnen sehr sympathischen Zügen
des Kaisers in seinem Buche“) zieht.
So läßt er sich von einer mit dem Berliner Hofe aufs
engste vertrauten Persönlichkeit erzählen: „Folgendes
Vorkommnis sei besonders charakteristisch. Eines Tages
sei er zu Wilhelm II. ins Zimmer gekommen. Dieser
habe ihn nicht bemerkt, weil er in seinen Gedanken ver⸗
tieft vor einem Spruche Ganghofers gestanden habe, der
auf einem Papierschilde an der Wand angebracht war.
Wilhelm II. habe, während er vor diesem Spruche stand,
der sein Lieblingsspruch war und in welchem eine Er—
mahnung zu richtigem und edlem Lebenswandel in be—
sonders schönen Worten ausgedrückt gewesen sei, zu sich
selber folgendes gesprochen:
„Aun siehst du, Wilhelm, wie du bist und wie du sein
solltest! Diesen Spruch solltest du befolgen, aber du tust
es nicht!“ ... In solchen und ähnlichen Anklagen und
Selbstvorwürfen habe er sich angesichts des Ganghofer⸗
schen Spruches ergangen. Es sei geradezu herzzerreißend,
wie er dabei mit sich ins Gericht ging. Auf Wilhelms II.
Begeisterung für genannten Spruch sei seine Sympathie
für Ganghofer selbst zurückzuführen, sowie daß er denselben
später persönlich auszeichnete.“ Der Gewãhrs mann
„schloß“, wie es am Ende meiner Aufzeichnungen heißt,
„seinen Bericht mit der wiederholten Versicherung, daß
Wilhelm II. im Grunde einen hohen und reinen Willen
habe, aber durch und durch pathologisch sei“. (S. 27/28).
Wenn ein solches ehrliches Selbstgericht Irrsinn be—
*) Or. Paul Tesdorpf. Offene Briefe über „Die Krankheit
Wilhelms II“. J. F. Lehmanns Verlag. München.
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