Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Vertrauen entgegenbrachte, um seine Psychopathie aller⸗
dings in harten Kämpfen niederzuringen. Er wurde mir
mit seinen frauenhaft zarten Händen und seinen herb
nordischen Gesichtszügen zum Symbol all der Schätze,
die durch rechte Fuhrung dem Psychopathentum abge—
rungen werden können.
Hgätten doch die großen seelisch Defekten: ein Hölderlin,
Lenau, ein Friedrich Nietzsche einen Philipp Wendel-—XRV
 guten Schutzengel zur Seite gehabt!
Wilhelm II. litt nicht so sehr an Psychosen über—
spannter Empfindungen. Er war mehr Bewegungsnaturell.
 Sein Stimmungsleben war schauspielerhaft
getönt. Sein Vorstellungsleben füllte sich mit rhythmischrhetorischen
 Bildern, sein Willensleben war expansiv.
Nur in wortreicher, auf Weitenziele eingestellter Zur⸗
schaustellung seiner Macht wurde er wahrhaft gemütslebendig.
 Er gab sich dann völlig aus, versank nach wochen⸗
ja monatelanger Übertriebssamkeit in die Leere düsterer
Erschöpfung. Dazwischen schoben sich Perioden eines
gewissen Gleichgewichts, in denen sich seine Seele zu
neuem Aufschwung sammelte, um alsdann dem Auf und
Ab der Schwingungshöhe und des Seelentiefstands aufs
neue zu verfallen.

Schwellung, Starrheit, teilweiser Ausgleich, Er—
wartung, Enttäuschung, halbe Besinnung, Hoffnung,
Zagen, matte Resignation, das war die Kurve seines
Semüts!

Sein Krüppeltum trug eine gewisse Verstandes kälte
in seine Exaltation.

t.