Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Allerdings hätte er dann wieder nicht zum Träger,
Heiligsprecher und phantasievollen Verklärer der kapi—
talistischen Expansion getaugt.
Der Edelmensch, der in ihm vielleicht dann zu stark
geworden wäre, hätte in sittlicherer Art zu den Worten des
Botschafters von Tschirschky in bezug auf die Serben
Stellung genommen: „Ich benutze jeden solchen Anlaß,
um ruhig, aber sehr nachdrücklich und ernst vor übereilten
Schritten zu warnen.“
Der Hohenzoller hätte dann nicht die Randbemerkung“)
hinzugefügt: „Tschirschky soll den Unsinn gefälligst lassen!
Mit den Serben muß aufgeräumt werden un d zwar
bald.“

Aus dieser Außerung spricht allerdings mehr noch der
Krüppel als der Psychopath.
Im Grunde meinte der Kaiser es gar nicht so schlimm.
Er wollte sich nur wieder einmal als vollgültigen Mann
fühlen. Er fühlte sich bedroht, das Nächste war für ihn
der Schein der starken Haltung.
Der Psychopath in ihm war von völlig kopflosem
Schreck gepackt.
Der Krüppel in ihm zuckte, pfauchte, tobte.
„Den Sandschack räumen,“ pochte er, „dann ist der
Krakeel sofort da!“ (Zur Akte Tschirsschkys vom 10. Juli
1914.)

2) Die deutschen Ookumente zum Kriegsausbruch. Vollständige
Sammlung der von Karl Kautsky zusammengestellten amtlichen
Aktenstücke mit einigen Ergänzungen im Auftrage des Auswärtigen
Amtes nach gemeinsamer Durchsicht mit Karl Kautsky herausgegeben
oon Graf Max Montgelas und Prof. Walter Schücking. 4 Bände.
Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte G. m. b. H.

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