Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Der Hohenzoller war zwar kein Genie ...
Seine Arbeit gewann keine wahre Planmäßigkeit ...
Aber er war doch auf seine Art ungeheuer rührig ...
Er scheute keine Anstrengung, mutete seinem Denken
beständig unerhörte Umschaltungen zu.
Er nimmt Stellung zu den vielfachen Anglücksfällen,
die Mädchen bei Dreschmaschinen erleiden. Er fordert
Schutzvorrichtungen dagegen, daß die Röcke der Arbeiteeinnen
 von den Transmissionswellen so leicht erfaßt
wurden. (Rede im Landeskollegium, 11. November 1890.)
Er fühlt die Sorgen der Industrie, vergißt aber dabei
auch die Arbeiter nicht, die in den gewaltigen industriellen
Unlernehmungen vor den Hochöfen und unter Tage im
Stollen mit nerviger Faust ihr Werk verrichten. (Münster,
31. August 1007).
Er spricht dem Handwerk zu, beschäftigt sich mit dem
Reiz der deutschen Städte, lenkt auf die Landwirtschaft
seinen Blick.
Sieht er bei allem nie tief genug, geraten seine Ur⸗
leile auch oft ins Schiefe, sobald er Gedanken streift, die
aus dem Geleise des üblichen Durchschnittsbewußtseins
treten, erfaßt er das Wesentliche auch selten scharf und
fest genug, so hätten seine Anlagen doch in verständiger
und planmäßiger Gliederung etwas Liebenswertes er⸗
geben können.
Ein geduldiger, groß fühlender, seelenkundlich unter⸗
richteter Philipp Wendelborn hätte vielleicht das Psycho⸗
pathische im Hohenzollern auf ein erträgliches Mindestmaß
 herabgedrückt.

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