Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Philipp Wendelborn, ein wahrer Freund redlich zur
Seite getreten wäre. Philipp Wendelborn versteht die
Kunst, den Menschen als ein Ganzes zu nehmen. Er
sieht in Tobias Buntschuh sowohl den Dämon, als auch
den „hellerlichten Strahlenmenschen“, den „Superklugen“
so gut wie den „Weisen im Innern“.
Er schaut auch die Zusammenhänge zwischen Minder⸗
wvertigkeitsempfindungen und Leistungsschwung bei seinem
Freunde ...
Er ist sich darüber klar, daß in Tobias dem Kraftrausche
 die Depression stets wieder nachfolgt.
Und doch, wie liebt er seinen Freund trotz aller Krank⸗
haftigkeit und Häßlichkeiten, trotz seiner Ausfälle, Ver⸗
dächtigungen und scheußlichen AUngerechtigkeiten.
Er bewundert immerfort das Heldentum der Arbeit in
dem Schwerbelasteten, äußerlich so abstoßenden Genie,
in diesem „grauen Gespenst“, das über den dunklen Ab—
grund der Begriffe taumelt, in diesem Manne mit der
„quäkenden Stimme“, der oft so „scheu wie eine Eule“ ans
Tageslicht kommt ...
Er bekennt: Wissen Sie ... eine solche sonderbare,
meinetwegen ganz einseitige Veranlagung, die kann man
wirklich nicht bloß bestaunen ... die muß man einfach
bewundern und lieben ...“
„Ideen haben, das ist sehr leicht ... aber bei diesem
gebrechlichen Leibe obendrein die Arbeitskraft haben, das
ist das Kolossale bei dem Kerle ...“
Hätte nicht ein Idealrealist, ein gütiger Wirklichkeitskenner
 ein ähnliches Verhältnis zu dem Kaiser gewinnen
können?

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