Man vergegenwärtigte sich nicht das Frevelhafte der
abenteuerlichen habsburgischen Balkanpolitik.
Man versenkte sich nicht in die Rückwirkungen des be—
ständig entfalteten militärischen Prunkes auf die anderen
Völker.
Und so sah man auch nicht, wie der Hohenzoller in⸗
mitten des Wirbels trotz aller Beweglichkeit und aller
klangvollen Worte im Grunde völlig ratlos war.
Man verspürte niemals den Krüppelkrampf in seinen
herrischen Gebärden.
Man ahnte nicht, daß die blendende Sicherheit, mit
der er immer wieder auftrat, aus der Spannung ver—
drängter Minderwertigkeitsempfindungen erwuchs.
Kein Gesunder hätte so oft und gern am Selbstruhm
und Trotz sich aufgerichtet!
Kein Nichtkrüppel hätte die Selbstgefälligkeit aufgebracht,
überall als Kenner und Träger großer Gesichtspunkte
mitzureden!
Aber man dachte über den so gegebenen Tatbestand.
nicht weiter nach.
Man erfaßte nicht die Zusammenhänge.
Aus allen diesen Gründen hätte auch ein mutiges Ausprechen
der Wahrheit nicht viel geholfen. Darum tau⸗
melten wir in den Antergang.
Bedauerlich aber bleibt es, daß der Monarch auf diese
Weise nicht zu wahrhafter Selbstprüfung veranlaßt wer⸗
den konnte. Er kam dadurch um sein Lebensrecht auf
eigene Läuterung. Er wurde um die einzige Möglichkeit,
die das Leben adelt, um die Möglichkeit arg betrogen, in
einem besseren Ich Frieden zu finden.
8