Zu Pauli Zeiten wandelte sich das Organisations—
wesen der Antike im Bunde schlichter, geringer Leute,
Bruderschaften von Armen, Sklaven, Mißachteten, Be—
stattungsgenossenschaften. „Eranien“ und „Chyasen“
übernahmen immer umfassender die Funktionen des
Staates. Das Kolonat entwickelte sich als neue Wirtschaftsform.
Das Solidaritätsgefühl dieser Gruppen
mußte mãchtig wachsen durch eine Lehre, nach der Gott
selbst für jeden einzelnen gelitten hatte und welche, durch
die Herabsetzung der Mächtigen und Hohen der „Welt“,
den neuen Gemeinschafts geist gegen das morsch gewordene
Heidentum abschloß. Die kommunistischen Tendenzen der
durch Paulus mit einer werbekräftigen Vorstellungswelt
verbundenen christlichen Gemeinden, waren wie Kalthoff
richtig sieht, nicht nur eine Forderung der Ethik, sondern
ebenso, ja in erster Linie eine wirtschaftliche Notwendigkeit
der Zeit. „Sie waren die Rettung der Gesellschaft
aus den unmöglich gewordenen Zuständen rösmischer
Kapitalwirtschaft und zugleich ein Mittelglied zwischen
dem Altertum und der mittelalterlichen Feudalwirtschaft.“
Paulus ließ die Bedürfnisgemeinschaftder neuen Kreise
sich zugleich als einen von Gott gewollten Erlösungsbund
empfinden. Er verknüpfte die Notwendigkeiten
neuer Gestalten der Lebensfürsorge mit dem Verlangen
nach Gemütsversöhnung, nach Befreiung von der Un—
sicherheit des Gewissens. Die seelischen Heilmittel, die
er spendete, waren nicht gesund. Sie wirkten in ihren
weiteren Folgen dahin, daß Forschung, Kunst, Gesittung
) ODie Entstehung des Christentums. Berlegt bei Eugen
Diederichs, Jena. S. 129.
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