Die Massen waren nun einmal gerufen, mit Waffen
ausgerüstet, sie brauchten sich nur zu zählen, dann mußte
ihr Äbergewicht ganz mechanisch die Ordnung stürzen,
die ihnen Minderwertigkeit zusprach.
Der Gedanke der Ehre wurde durch den gewaltigsten
aller Kriege aufs entschiedenste in den Vordergrund
gerückt, er ließ sich auf das militärische Gebiet nicht mehr
beschränken. Oer friedlichste Staatsbürger mußte gegen
politische Unehre sehr empfindlich werden. Der Kaiser
hatte selbst einmal gesagt: „Oer Arbeiter hat einen ebenso
feinen Magen wie wir und ißt Eisbein auch lieber, wenn
es warm ist.“
Er meinte vor der Tangerfahrt am 22. März 1005:
„Unser Herrgott hätte sich niemals so große Mühe mit
unserem Volke gegeben, wenn er uns nicht noch Großes
borbehalten hätte. Wir sind das Salz der Erde ...“
Sollte ein so hoch gerühmtes Volk, von dem Kaiser
Wilhelm II. schon in seinem ersten Regierungsjahr 1888
gesagt hatte: „Es ist der Hohenzollern Stolz, über das
zugleich edelste und gereifteste wie gesitteste Volk zu
cegieren,“ in Verfassungsfragen kein Selbstbewußtsein
zeigen dürfen?
Ein tapferes Wort des Kaisers gegen den Herrenüber⸗
mut der bisher politisch Bevorzugten, hätte die übergroße
Mehrzahl des Volkes hinter die Reformbestrebungen des
Kaisers gestellt. Das Heer hätte in seinen Kernmassen
das Vertrauen zu ihm bewahrt. Mochte dann auch der
Kampf zwis chen den ruhigeren und den weiterdrängenden
Wassen die politische Spannung rege halten. Mochte
selbst immer noch dem Thron Gefahr drohen. Die Aus—