Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

So wollte auch der Hohenzoller bei seinem Regie—
rungsantritte dem gegenwärtigen Leben zu seinem Rechte
in der Schule verhelfen. Die Schule soll nach seinem
Wunsche die Jugend zu heute lebensfähigen Deutschen,
nicht zu jungen Griechen oder Römern erziehen. Er ent⸗
wirft selbst Plãäne zur Umgestaltung des Unterrichts, und
er will, wie er sagt, „kein Gymnasium mehr genehmigen,
das seine Richtlinien nicht beachtet“.
Aber die Oberlehrer wollen nicht. Man sabotiert die
Anordnungen des Kaisers. Er fühlt die Stärke der Geg—
nerschaft, wird verstimmt und läßt die Reform der Schule
zage fallen.
So bringt er sich fortgesetzt um die Freude am Vollbringen,
 um das selbstverständliche Recht des Einzelnen,
in seiner Tätigkeit wenigstens Teilerfüllungen zu ge—
winnen.
Diesem Zwiespaltmenschen mit dem Krüppeltrotz und
der Psychopathen⸗-Zerfließlichkeit zerrinnt alles unter den
Fingern...
Er ist immer beschäftigt, sei es mit Schiffsbauten, mit
vergleichenden Marinetabellen, mit Predigten, mit Reiter⸗
turmangriffen, mit Verbesserung der Architektur, mit
Gedichten, Gemälden, musikalischen Kompositionen, aber
niemals schafft er bleibende Werte. Er bleibt Dilettant
auf allen Gebieten. Er ist in stets wortreicher, unruhiger
Bewegung, es fehlt ihm die Stetigkeit und Beharrlichkeit.
Er ist Tatträumer, aber kein Vollstrecker der Tat ...
Er ist immerfort allseitig „interessiert, aber er kommt
nie in die Sachen hinein, selbst wenn es sich um ganz
nüchterne Angelegenheiten handelt.

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