Sehr mit Unrecht hat Quidde den gekrönten Seelen⸗
franken mit Caligula verglichen.
Schon den Romantiker Friedrich Wilhelm IV. verglich
David Friedrich Strauß viel richtiger mit Julian,
der in blindwütigem Haß gegen JFesus tobte.
Die dräuende Gewaltgebärde, die das Krüppeltum
ihm, dem Hohenzoller Wilhelm II. aufkrampfte, war
niemals ganz echt.
Walter Rathenau schildert den ersten Eindruck, den er
vom Hohenzoller empfangen hat mit folgenden Worten:
„Wie anders, als ich ihn erwartet hatte. Ich kannte die
schneidigen Jugendbilder mit breiten Backen, gesträubtem
Schnurrbart, drohenden Augen, die gefährlichen Cele—
granime, die kraftstrotzenden Reden und Denksprüche.“
„Da saß ein jugendlicher Mann in bunter AUniform,
mit seltsamen Würdezeichen, die weißen Hände voll
farbiger Ringe, Armbänder an den Handgelenken; zarte
Haut, weiches Haar, kleine weiße Zähne. Ein rechter
Prinz, auf den Eindruck bedacht, dauernd mit sich selbst
kämpfend, seine Natur bezwingend, um ihr Haltung,
Kraft, Beherrschung abzuzwingen. Kaum ein unbewußter
Moment; unbewußt nur — und hier beginnt das mensch⸗
lich rührende — der Kampf mit sich selbst; eine ahnungslos
gegen sich selbst gerichtete Natur ...“ („ODer Kaiser“.
S. 27.)
Dies ewig in sich bang zitternde Leben, dieser wehe
Bewußtseinswirbel hart aim Abgrund der Geistesnacht
diese sich ewig überschlagende bebende Ungeduld und
Hast: wie sollten sie ein Durchsetzen der sich beständig
durchkreuzenden Pläne zulassen?
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