und leidenschaftlichen Gemütsäußerungen nicht eine
„innerlich große Welt des Denkens und Handelns“, son⸗
dern ein „unausgeglichenes Nebeneinander von großem
Wollen und geringem Vollbringen“, „von emporge⸗
schraubten Ansprüchen und mangelnder Selbstzucht“ vor
uns auf.
Ibsen hat den eigentümlichen Ton Julians mit be—
wundernswürdiger Schärfe getroffen. Es ist oft er—
schreckend, wie er dadurch an so vielen Stellen seines
großen Oramas „Kaiser und Galiläer“ die Sprech- und
Schreibweise Kaiser Wilhelms II. vorweggenommen hat.
So läßt Ibsen den Gegenspieler des Galiläers sagen:
„Soweit haben die Götter geholfen ... Jetzt wird das
Werk vorwärts rollen, wie die Wogen einer Sturmflut.“
Mit gleicher Ekstase ruft Wilhelm II. seinen Branden⸗
burgern zu: „Zu Großem sind wir noch bestimmt!“
Julian besinnt sich aber nach seinen Jubelworten auf
die Hemmung, welche die Christen ihm bereiten. Er
schmollt: „Oer stumme Trotz, den ich von gewisser Seite
spüre, soll meinen Geist nicht aus dem Gleichgewicht
bringen.“
So erinnert sich auch der Hohenzoller nach seiner
Triumphäußerung auf seine sozialistischen Gegner. Er
meint: „Lassen Sie sich nur durch keine Nörgeleien und
kein mißvergnügliches Parteigerede Ihren Blick in die
Zukunft verdunkeln oder Ihre Freude an der Mitarbeit
verkürzen.“
Beide Romantiker glauben großmütige, weitherzige
Seelen zu sein, die man nur verkennt.
Julian öffnet weit die Arme: „Mein Hof soll zugäng-27