Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Lange Jahre hindurch entzog er in seinen Amnestieerlassen
 politischen Widersachern seine Versöhnung. Da—
gegen wandte er Rekrutenmißhandlern in auffälliger Weise
seine Gunst zu. Diese Handlungen entflossen nicht be—
wußter Gesinnung, sondern der Ohnmacht seines Willens⸗
lebens gegenüber dem, inneren Zwange seiner Krüppelhemmungen.
 Infolgedessen aber festigte sich in Wil—
helm II. die Beziehung zum Außenleben in konkreterer
Weise als in Ludwig II.
Der innerlich Kalte strebt unwillkürlich nach Rei—
bungen mit den Außenmächten, um auf diesem Umwege
zu einer gewissen Lebenswärme zu gelangen. Er ver—
gegenständlicht sich seine Umwelt entschiedener als der
Traumselige, in dem das Gemüt sich vorwiegend von innen
her entzündet.
In Wilhelm II. wob genug Traumkraft, um sich seine
Tätigkeit zu verklären, aber er versank doch nicht ganz in
sich selbst.
UÜber rhetorische Gefühlsanspornungen und über⸗
schwenglichkeiten hinaus haftete er nicht an seinen Phan—
tasien.
Er war mehr Bewegungsnaturell als Empfindungspfleger,
 mehr Oramatiker als Lyriker seines Traums.
So konnte der Hohenzoller auch bis zu einem ge—
wissen Grade Techniker, Ingenieur, Organisator sein. Er
schwärmte nicht nur von einer starken Flotte, sondern er
ließ es sich auch nicht nehmen, an ihr nach seiner Art mit—
zubauen.
Nie löste er sich ganz von weltlichen Zwecken wie
Ludwig II. auf seinen märchenhaften Schlittenfahrten

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