aber an Einseitigkeiten oder Verzerrungen in der Arteilsbildung.
Sie können ihre Gedankenmassen, die sehr leb—
haft bewegt und geistvoll schillernd sein können, nicht ein⸗
heitlich genug beherrschen. Ihre Bewußtseinskreise
greifen nicht systematisch genug ineinander. Die Vernunft,
die das Allgemeine aus dem Besonderen entfaltet, kann
in ihnen rege arbeiten. Es fehlt ihnen jedoch immer
zu sehr am Verstande, der das Einzelne scharf und
sachlich vergegenständlicht. So können sie gute Anreger,
Entwerfer glänzender Perspektiven, vielseitig Beschäftigte,
großzügig Sinnende sein, empfängliche Würdiger alles
Neuen, das ihre Phantasie mit weitausstrahlenden Zu—
kunftsbildern befruchtet. Sie können von Stimmungen
der Dankbarkeit und des Vertrauens tief erfaßt werden.
Sie können das Weltgeschichtliche und Kulturbedeutsame
in den Geschehnissen mit ganzer Seelenglut durchleben.
So mögen sie im Vergleich mit trockenen Rechnern, mit
mürrischen Revanche-Greisen, mit pedantischen Hemmern
und Verzögerern ganz wundersam erfrischend und be—
lebend wirken. Rechnet man als Psychologe noch damit,
daß nicht nur der Durchschnittsmensch es liebt, Macht⸗
gebietendem, Glänzendem, Verehrtem sich hinzugeben,
und daß der Rausch solcher Hingabe das Seelenleben mit
starken Spannungen befruchtet, dann ist es erklärlichdaß
die schwärmerischen Arteile, die sich über Kaiser Wil—
helm II. bildeten, subjektiv oft durchaus wahr und echt
gewesen sind. Wir stellen daher die verzückten Verehrungsäußerungen,
auf die sich Männer wie Pfarrer Rump in
ihrer Rechtfertigung des Monarchen stützen, keineswegs
in Frage.
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