Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Wer den Gesamtmenschen Byron oder Wilhelm II.
bewerten will, darf nicht nur auf das heimlich verstörte
Gemüt seinen Blick richten, sondern muß sich auch darüber
klar sein, daß der bauende Geist daneben vorhanden ist.
Wilhelm II. war ein ehrlicher Christ, ein überzeugter
Deutscher, ein seiner Verantwortlichkeit sorgenschwer be⸗
wußter Monarch. Er war ein musterhafter Familienbater,
 ein warmer Begeisterung fähiger Miterleber
unserer Zeit, ein oft überaus zartfühlender und künstlerisch
veranlagter Romantiker.
Er trug alle die Eigenschaften in sich, die der Pfarrer
Rump in ihm verehrt.
Oennoch entrann er dem Verhängnisse der Krüppel⸗
osyche in seinen Worten und Taten nicht.
Das ist die furchtbare Tragik dieses nicht unedlen
Mannes, der immer wieder die Welt zugleich blendete
und enttäuschte.
Die Gegner und Freunde des Monarchismus haben
hm gegenüber beide Recht.
Beide können in überzeugender Weise viele unüberseh⸗
bare Wesenszüge und Außerungen des Hohenzollern für
ihre Auffassungsweise geltend machen.
Beide aber greifen in ihrem Arteil fehl, wenn sie das
Krüppeltum seiner Armverkürzung nicht berücksichtigen.
Das Problem des Exkaisers verwickelt sich aber noch
dadurch, daß auch psychopathische Schwächen ihn ganz
wesentlich mitbedingten.
Es steckte auch viel von Ludwig II., dem psycho⸗
oathischen Bayernkönig in ihm.
Psychopathen können sehr begabt sein. Sie kranken

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