Verdrießlichkeiten belastete, außerordentlich nüchterne
Pflichttat.
Ebert und Scheidemann mußten sich Nutznießer, Ver⸗
räter, Schildhalter des Kapitalismus schimpfen lassen mit
der Aussicht, zum Dank dafür von den ersten besten reak⸗
tionären Putschisten an die Wand gestellt zu werden.
Ihr so ganz unromantisches Verhalten, zu dem die
Vaterlandsliebe sie zwang, stand allerdings im schärfsten
Kontraste zu der Scheinherrlichkeit des theatralischen
Hohenzollern, die so viele politische Kinder geblendet
hatte.
Den menschheitsgeschichtlichen Ernst der grausigen
Kriegsverluste haben sich immer noch viele Träumer
bunter Bilderbogen⸗Politik nicht zum Bewußtsein bringen
können.
Wir bedürfen aber jetzt dringend einer ruhigeren
Wirklichkeitswürdigung, als sie aus der Wechselverfeh—
mungswut der Parteien erwächst.
Endlich sollten Forscher, Oenker und sachliche Beob⸗
achter mehr Gehör finden.
Wie sich Leidenschaften politische BVorgänge ausmalen,
das wissen wir jetzt.
Möge nun endlich auch die Welt der Politik vom Licht
der Vernunft wieder einen Strahl erhaschen.
Was wohl der Hohenzoller über Kapp gedacht hat?
Wir gönnen dem Vielgeprüften jetzt erst recht Stille und
Frieden. Möge er in seiner Innerlichkeit recht bald die
heiterkeit ehrlicher Entsagung finden. Dann erhebt er
sich sittlich über uns alle, soweit auch wir noch am Wahne
kleben.
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