Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

den Offiziere schlecht. Er verfiel ihnen gegenüber in einen
oft fast unfaßlichen Optimismus. Aber er sah, wie auf
der anderen Seite die Schlagworte der Weltrevolutions—
psychose die Massen in der Arbeit lähmten. So stand er
zwischen Tür und Angel. Die Not des Augenblicks er—
forderte feste Entschlüsse. Er mußte die militärischen
Kräfte, die er brauche, so ergreifen, wie er sie vorfand.
Wenn er staatsmännisch klug genug war, alle politischen
Zwistigkeiten vom Heere fernzuhalten, und wenn er dabei
auch die monarchistischen Tendenzen, die dem Reichswehr⸗
körper noch anhafteten, mehr als Ausdruck der gesellschaftlichen
 Sonderstellung der Offiziere denn als politische
Absicht auffaßte, so war auch darin seine Gesinnung
durchaus redlich. Nur so ist es auch zu verstehen, daß er
immer wieder das Vertrauen seiner Parteigenossen er—
rang. Man versteht allerdings auch Erich Kuttner, der
in seinem Vorwärts-Aufsatz vom 3. April d. Is. Noske
einen „unheilbaren Optimismus“ den eidbrüchigen
Offizieren gegenüber vorwirft.
Kapp hat uns auch in dieser Hinsicht zum Umlernen
gezwungen. Er gab den politischen Propheten der „Freiheit“
 Necht. Das gereicht den abtrünnigen Heißspornen
der VReaktion nicht zum Ruhme. Wenn jedes Vertrauen
zur Torheit wird, dann können auch die Monarchisten für
sich nichts Erquickliches erhoffen, selbst wenn eine neue
Erzbergerei alles Wasser auf ihre Mühlen treiben würde.
Es ist nicht staatserhaltend, Raubbau an Treu und
Slauben dürftiger Augenblickserfolge wegen zu treiben.
Die Kappepisode wirft ganz unleugbar schwarze
Schatten auf jede Weltanschauung, die am Bilderwesen

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