jenen Tagen sich auf die Verwerfung des Eides im
Evangelium berief!
In der deutschen Republik ist niemand verpflichtet,
heeresdienste zu leisten. Der schlichte Eid der Demokratie
vollzieht sich in der Reichswehr völlig freiwillig. Wer
einen solchen Eid bricht, besudelt sich selbst, wenn er ihn
als etwas nicht ernst zu Nehmendes empfindet.
Man tut daher weder den Offizieren, noch sich selbst
einen Dienst, wenn man den Eid unter der Republik so
leichten Kaufs preisgibt.
Gerade wenn man konservativ denkt, sollte man nicht
sophistischen Zweideutigkeiten in der Bildung der Rechtsbegriffe
Vorschub leisten.
Das ist ja die Tragik Noskes, daß er jenen Offizieren,
die schmählich abgefallen sind, in Dingen des Eides die
elbstverständliche Ehrenhaftigkeit zutraute, die man von
jedem anständigen Volksgenossen erwartet. Wenn er
hierin enttäuscht wurde, so liegt die Schande nicht auf
seiner Seite. Wir verhehlen es nicht, daß uns die Sach—
lichkeit, mit der Noske am Aufbau der Wehrkraft unseres
Vaterlandes tätig war, Sympathie abrang. Es lag darin
eine bittere Tragik.
Leichten Herzens hat sich der erste Reichswehrminister
nicht gegen die linksradikalen Genossen gewendet, die
nach seiner UÜberzeugung Deutschlands Fortbestehen ge—
fährdeten. Er war auf Verkennung und Andankbarkeit
gefaßt. Er tat das, was er für seine „verfluchte Pflicht
und Schuldigkeit“ hielt. Dabei verfuhr er nicht immer
psychologisch richtig. Vor allem gelang ihm die Ein—
fühlung in das Gemütsleben der scheinbar zu ihm stehen⸗
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