„Manfred“, indem er auf seine Stirn wies, „wenn dies
mich darüber stellt, so setzt mich dies“ — und hier wies er
nach seinem Fuß — „tief unter die andern“....
So ist nun einmal Menschenart, und insbesondere ist
dies die Gemütsleiden der wenig Entstellten. Schon
bloße Häßlichkeit, die noch gar nicht Krüppeltum in sich
befaßt, wirkt auf gleiche Weise, wie man es aus den Ge—
ständnissen und Gedichten Michelangelos ersehen kann.
So seufzt der Gewaltige zum Höchsten:
„Gott ... der uns nach dem Verscheiden —
Erweckt zu ewiger Ruh oder Pein —
Dürft' ich wie hier dann sein —
Trotz Häßlichkeit mit dir im Himmelreich!
Ein liebend Herz wiegt ja der Schönheit gleich.“
Und er zermartert sich im Hinblick auf ein geliebtes
Weib mit dem Gedanken:
„Wohl kränkt der Himmel mich,
Da ich in schönem Aug' so häßlich bin,
Indes so schön mein häßlich Aug' dich malt“..
Für Menschen mit beweglicher Einbildungskraft und
impulsivem Temperament ist es etwas ganz Furchtbares,
nicht als ganz vollgültig oder gar als körperlich nicht normal
in den Kreis der Gesunden treten zu können. Schon der
Zwang, ein Winziges und sei es auch nur eine un—
bedeutende Armverkürzung, verbergen zu müssen, macht
dauernd befangen, und wird solche Befangenheit gewaltsam
verdrängt, dann setzt sie sich in krampfhafte Seelen⸗
spannung um, die beim Krüppel nach zwei entgegen⸗
gesetzten Richtungen zum Ausdruck kommen.
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