ihrer ganzen Entwicklung den Zustand herbei, den wir oft ge—
nug auf dem Papier als die unabwendbare Zukunft des deut⸗
schen Volkes beklagen, den aber der augenfällige Luxus gewisser
Schichten nicht glaubhaft erscheinen läßt, den Zustand einer
allgemeinen Verarmung des ganzen Volkes, das mit seinen
besten Arbeitskräften dem Sieger Frondienste in moderner Form
leistet. DOie Erfüllung des Friedensvertrages, die auf dem zweiten
Jahr nach dem Zusammentritt der Nationalversammlung liegt
und vielleicht erst den Tiefstand unserer Entwicklung bringt, wird
diese Tendenz noch deutlicher zeigen. Zurzeit scheint nur die
Einhaltung einer ruhigen Mittellinie, wie sie die Koalitions—
parteien seit einem Jahre beschritten, die schwache Möglichkeit
einer ÜUberwindung der Schwierigkeiten zu bieten, jedes Ex—
periment von der extremen Rechten oder Linken müßte das
Chaos nur sicherer heraufbeschwören. Die Zusammenarbeit der
Koalitionsparteien hat sich aber, je länger je mehr, in der Re—
gierung sowohl wie bei den Parteien, immer kollegial und
freundschaftlich gestaltet.
Die Arbeiten der Nationalversammlung:
19. Januar 1919: Wahlen zur verfassunggebenden National⸗
oersammlung.
21. Januar 1919: Beschluß der Regierung, die National⸗
persammlung nach Weimar zusammenzuberufen.
6. Februar 1919: Zusammentritt der Dationalversamm⸗
ung in Weimar.
7. Februar 1919: Wahl des Präsidiums der NVationalverammlung.
Präsident: Or. David.
8. Februar 1919: Abschluß des ersten Lebensmittelabkomnens
mit der Entente.
10. Februar 1919: Annahme der Notverfassung. Die Volks—
beauftragten geben ihr Mandat an die Nationalversamm⸗
lung zurück.
11. Februar 1919: Wahl Eberts zum Reichspräsidenten.
12. Februar 1919: Kabinettsbildung. Scheidemann Minister⸗
oräsident.
13. Februar 1919: Programmrede des Ministerpräsidenten.
14. Februar 1919: Programmrede des Grafen Brockdorff-Rantzau.
Kreditvorlage von 25 Milliarden Mark.
18. Februar 1919. Waffenstillstandsinterpellation in der
Nationalversammlung.
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