Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Nun hören wir dennoch einige alte Konservative
seufzen:
Die Schönheit stirbt in der Republik
War die berüchtigte Lex Heintze der wilhelminischen
kpoche freie Kunstpflege?
Müssen wir hier noch an die Siegesallee erinnern?
Welche Funktion die äußere Schönheit vielfach ver—
trat, darüber belehrt uns die folgende kleine Fabel des
Dichters Wilhelm Müller-Rüdersdorf:
„Die bettelarme, dürre Schlupfwespe begegnete dem
tattlichen, vornehm gekleideten Purpurraubkäfer — ge—
rade in dem Augenblicke, als er eine lahme Raupe über⸗
fiel, tötete und ausplünderte.
„Sie auch in unserer bedauernswerten Zunft, hoch—
prächtiger Herr ? Das hätte ich nicht gedacht! Ich meinte,
weil sie so reich gekleidet sind ...“
„ODarum gerade!“ unterbrach sie der vornehme Räu—
ber. „Oas herrliche Gewand ist mir das vortrefflichste
Hilfsmittel bei meinem heimlichen Handwerk. Es sorgt
dafür, daß niemand den großen, erfolgreichen Plünder—
neister in mir vermutet.“
Wenn die Deutschnationalen die Oemokratie gelegent
lich verspottet, weil sie von ihren angeblich völlig unreal⸗
politischen Freiheitsgedanken so wenig durchsetzen kann,
so belehrt uns derselbe Dichter durch die Fabel vom
Radium:
„Es war nur klein, splitterchen- und krümelchenklein.
So klein, daß es dort, wo alles nur nach gewichtigem
Außeren und lastender Fülle abgeschätzt wird, gar nicht
in die Wagschale drückte. Und doch war es nicht un—

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