Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

um mit voller Kraft sich vertrauen zu können. So wird es
verständlich, wenn er im Jahre 1807 die Behauptung
vertrat: „Wenn mein erlauchter Großvater im Mittelalter
gelebt hätte, er wäre heilig gesprochen worden. Ihm
verdanken wir das Deutsche Reich. In seiner Nähe war,
durch Gottes Fügung, so mancher brave tüchtige „Handlanger“,
 der die Ehre hatte, seine Gedanken ausführen
zu dürfen, die aber alle Werkzeuge seines erhabenen
Wollens waren, erfüllt von dem Geist dieses erhabenen
Kaisers.“
Ist es aber nicht zu kühn, den geringen körperlichen
Fehler des Kaisers für solche Außerungen in Anschlag
zu bringen?
Die heutige Krüppelpsychologie rechnet gerade mit
den scheinbar ganz belanglosen Verstümmelungen oder
Hemmungen.
Der Dichter des Weltschmerzes Lord Byron
litt bis zu seinem Lebensende ganz unsagbar an seinem
Klumpfuß. Er konnte rasch und sicher laufen, war ein
kühner Schwimmer, der verwegen den Hellespont durch⸗
maß, seine äußere Schönheit war so überwältigend, daß
Frauenherzen ihm stürmisch zuflogen ...
Sein Geist berückte ganz Europa. Trotz alledem dachte
er nur an das, was ihm fehlte, nicht an das, was er in
überreicher Fülle besaäß.
Es ist Tatsache, daß eines Tages der Vikar von
Southwell Byron von melancholischen Gedanken ablenken
wollte. Er machte den Dichter darauf aufmerksam, daß
seine Intelligenz ihn über alle anderen Menschen stelle.
„Ach, lieber Freund,“ sagte darauf der Schöpfer des