So schuf sich das Volksleben einen Ausdruck, dessen
Zauber auch uns gefangen nimmt.
Der Konservativismus war damals noch nicht patho—
logisch, der Bilderglaube des Volks war in seiner Erkennt⸗
nisstufe organisch begründet, er trug die Keimformen
aller künftigen Kultur in sich.
Der Monarchismus war eine Lebenseinheit, die an—
dachtsvolle Gemüter zur Weihe umfassenderen Schauens
verwob, nicht Machtwerk selbstsüchtiger Berechnung.
Jeder Volksgenosse gehörte einer Zunft, einer Gilde,
riner Bruderschaft auf Gedeih und Verderben an.
Die einzelnen standen sich nicht innerlich gleichgültig
fremd, verstandeshaft gegenüber.
Ein sozialer Gesamtwille umschloß sie alle. Die
Kultur war ein Organismus. Daher waren auch die
Männerbündnisse der Gefolgschaftstreue soziale Formen,
in denen sich echte Gemütsbedürfnisse ausprägen. Man
fühlte sich durch das Zusammenwalten mit einem Führer
in ein höheres, spannungsvolleres, geistiges Leben ge—
hoben.
Die Verhältnisse zwischen den Königen und ihren
Mannen waren voll echter Poesie.
Diese Poesie können wir in der Republik aber noch
viel mehr zur Geltung bringen, weil wir den Herzog,
den Präsidenten selbst küren, selbst wählen.
Kann man sich nicht noch heute freuen über die Treue
der Arbeiter zu ihren selbstgewählten Geistesherzog
August Bebel über das Grab hinaus?
In jeder Hütte und jedem Versammlungsraum findet
man den feingeschnittenen Denkerkopf.
124