Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

welche die Eigenwerte jeder kulturfruchtbaren Spannung,
anerkennt, durchgeläutert werden.
In dem Maße, wie diese Läuterung erfolgt, tritt die
Demokratie an den Platz der Diktatur.
Zu solcher Gegensatzführung gehört die Regehaltung,
Beseelung sowohl, als auch die Beherrschung der Phantasiekräfte,
 durch die sich das Volksgemüt zu zusammen-⸗
fassenden Anschauungen erhebt.
Das Volk muß sich selber sichtbar werden.
Die Demokratie muß Farbe bekommen.
Bei Naturfesten, bei Sonnenwendfeiern, bei großen
turnerischen Veranstaltungen, bei allgemeinen geschichtlichen
 Gedenktagen, bei ländlichen Volksfesten, bei großen
Ausstellungen des Gewerbefleißes muß die Würde der
Republik künstlerischen Ausdruck finden.
Ist es denn wirklich so vornehm, sich abseits vom Volksleben
 zu halten?
Hat man damit ein sittliches Verhältnis zum Arbeiteroolk
 gewonnen, daß man es schmutzig findet?
Der vFabeldichter der Fetztzeit, Wilhelm Müller—
Rüdersdorf, erzählt eine kleine Fabel, die diese Frage in
überzeugender Weise löst.
„Armes Nährvolk!“ bedauerten die vollstengeligen
buntstolz geputzten, aber freundlich lächelnden Pflanzen
des Mohnfeldes die übergroße Halmarmee des Roggen—
ackers. „Während man uns Entfaltungsraum gab, hat
man euch allzu eng zusammengepfercht. Kein Wunder,
daß ihr im Gegensatze zu unserer stattlichen Erscheinung
so wenig ansehnlich geworden seid und die mühsam ge—

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