Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

In unseren Tagen tritt zu dieser Frage noch gebiete⸗
rischer das Problem der Gruppenführung.
Der Monarchismus war Führungsmagie, nicht Füh—
rungswissenschaft.
Er konnte einen Krüppelpsychopathen zum Sauberer
von Gottesgnaden machen, der überall gutes Wetter
machen mußte, zum Wundermanne, der seine mystischen
Losungen als „belebende Impulse“ dem Volksleben zu
spenden hatte.
Als Theologe besonderer Gottberufenheit der Herr⸗
scher, machte er seine Ahnen zu Heilanden, sich selbst
zum Fetisch.
Eine Religion äußerer Ehre verdrängte gänzlich das
Semütschristentum.
Ein neuer Gesellschaftsaberglaube umwob bevor⸗
rechtigte Ordnungsstützen mit dem Nimbus unfaßbarer
Bedeutung.
Das Führen von Gruppen in den großen Betrieben,
Verwaltungskörpern, Amtern vollzog sich möglichst in
Entsprechung zu den Befehlssitten im deutschen Heer.
Die deutsche Erziehung, die in allen Gebieten auf
sittliche Selbsttätigkeit drang, die schon in den kleinsten
Kindern, und selbst in den gebrechlichen, das Selbstdenken
und Selbstschaffen anregte und kräftigte, geriet mit ihren
Prinzipien völlig abseits von den inneren Voraussetzungen
solchen Führertums.
Sie mußte die Weltgeschichte fälschen, mußte das
Evangelium hohenzollerisch umdeuten, mußte die Kan—
tische Autonomie möglichst ins Sklavenhafte wenden.
Auf der andern Seite versank der Marxismus immer

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