Darum will das Bewußtsein der Massen sich noch
nicht zur Mäßigung wenden.
Die automatische Wechselsteigerung der Löhne und
Preise, das grausige Sinken der Baluta, die nicht
endenden Oemütigungen durch die Entente sind auch nicht
danach angetan, Beruhigung zu schaffen.
Die Putsche der Unabhängigen und der Spartakisten,
Morde und Mordversuche von rechts und links, im Namen
der roten oder blauen Verzweiflungsradikalisten, die beide
nach einer Gewalt dürsten, die ihre Ratlosigkeit auch nicht
beseitigen könnte, sie zeigen, wie der Dämon des Krieges
noch in uns spukt.
Die Republik dafür anzuklagen, zeugt von Gedanken⸗
losigkeit oder Demagogie.
Gewiß, in der Freiheit der Oemokratie werden die
heimlichen Schäden des Volkslebens eher offenbart. In
ihr gibt sich leichter kund, was im Busen der Menschen
brütet. Es werden heute völlig andere Anforderungen
an die Führer des Volkes gestellt.
Aber hat unter uns nicht gerade jetzt Willy Schlüter
in seinem Werke „Oeutsches Tatleben“*), die erkenntniskritischen
und könnenpsychologischen Grundlagen für eine
Wissenschaft der Führung gelegt?
In diesem Werke erhält die neue VRepublik den Ge—
danken, den die geschichtliche Entwicklung von ihr fordert.
Das neunzehnte Jahrhundert machte die Wirtschaft
zum Massenproblem. Es brachte uns den ökonomischen
Materialismus.
*) Willy Schlüter: Oeutsches Tatleben. Anregung zu einer neuen
Forschung und Denkweise. Verlag Oskar Laube Abt.
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