Als der Mantel gefallen war, mußte der Herzog nach—
folgen. Als daher der Kaiser floh, fielen die verbergenden
Hüllen von dem Jammer der moralischen Anarchie.
Deutschland ward zu einem großen Soldatenlager, in
dem es nicht so sauber wie in einer gut bürgerlichen
Wohnstube zuging.
Jugendlichen Oraufgängern saß das Handgelenk
immer noch locker. Die Gewehre entluden sich wie von selbst.
Was man in Feindesland gelernt, das übte man im
Vaterlande. Die Massen waren „desorientiert“, sie
konnten sich seelisch nicht sogleich in den Friedenszustand
finden. Aus alledem erwuchsen Gepflogenheiten sehr
uner quicklicher Natur. Die revolutionäre Unruhe war
nur eines der Symptome dieses Chaos. Die politische
Leidenschaft war nur ein Zucken auf der Oberfläche einer
Zerrüttung, die noch vom Schlachtengraus her alle Tiefen
des Volksgemüts durchzittern.
Sie war keine Ursache, sondern nur
die Folge des Kriegsentsetzens.
Die Republik brachte uns den ersten Ansatz zu einer
neuen Ordnung. Wenn sie bisher die Verhältnisse noch
nicht genügend festigen konnte, so ist auch diese Tatsache
nur ein Symptom des Weltkriegsgeschehens, das noch
immer durch die Seelen geht.
So leicht wird das Sausen der Handgranaten, das
Knattern des Trommelfeuers, das Blitzen der Flammen⸗-werfer,
das Oonnern der Kanonen nicht verwunden.
Das Vorstellungsleben ist mit Bildern unmenschlicher
Taten angefüͤllt.
10