verstehens, alle Arbeit der Erziehung an jungen Hirnen,
alles Neuertüchtigen von Krüppeln, Unfallverletzten,
Blinden und Taubstummen, alle Einfühlungsfreude der
Psychologie, des Dichtertums, der Seelsorge, das mußte
jäh durchbrochen werden.
Nur was davon noch für den Krieg und die Kriegsverletztenfürsorge
wie für die Stimmungshebung der
Massen brauchbar war, durfte doch gelten. Im übrigen
mußte nun der Blutrausch, die Moral der Verheerung,
die Barbarei der Freude an Massentötungen notwendig
als Religion oder Idealismus gefordert werden.
Groß bleibt es, daß die Tugend der restlosen, opfer⸗
starken Hingabe an unbedingte Pflichten eingeübt wurde,
ruhmvoll, daß Deutschland hierin tapfer an der Spitze
stand.
Die deutsche Jugend, die singend in den Opfertod
—F
Die Dichter, die, wie der verstorbene Richard Oehmel,
ein indirektes Opfer des Krieges, das Vorbild un—
erschrockener Selbstlosigkeit gaben, haben ein hehres An⸗
recht auf ewige Dankbarkeit.
Es war eine große Zeit!
Dennoch stieg mit den für uns so notwendig gewor⸗
denen Rückfall in die Gefühle und Tugenden entwicklungs⸗
geschichtlich hinter uns liegender Bewußtseinsweiten
ebenso unvermeidlich der Acheron mit herauf.
Affekte, Leidenschaften, bloße Gesinnungsmoral,
warme Gemütsbewegungen können allein die Kultur
nicht tragen.
Ebensowenig kann der realpolitische Verstand, den
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