Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

beschäftigte, schoß wieder weit ũbers Ziel und konnte daher
nicht zu klarer Entscheidung leiten.
Jedermann im Schloß sollte, nach dem Berichte eines
„alten Diplomaten“*) wissen, daß, obwohl des Kaisers
Gang forsch war, er „dies nur seiner Majestät ständiger
Ubung verdankte.“ „Wenn der Kaiser sein Gebrechen
einen Moment vergessen würde, so würde er sein linkes
Bein nachschleppen.“
Oiese gewiß übertriebene Mitteilung entnimmt der
„alte Oiplomat“ der angeblichen Schilderung eines Fräu—
lein Stahl, der bei der Geburt des Kaisers beschäftigten
Hebamme.
Auch in diesem Bericht der Gräfin von Eppinghoven**)
bleibt es symptomatisch, daß die nähere Umgebung des
Monarchen immerhin den Eindruck einer gewaltsamen
Verdrängung körperlicher Hemmungsschmerzen hatte.
Aber schließlich blieb alles im Dämmergewölke vager
Bermutungen. Schade! Jammerschade!
Mit dem Recht Deutschlands auf eine Aburteilung
seines Kaisers steht es aber darum nicht besser. Man kann
Wilhelm II. nicht für das Versagen der Forschung in
seinem Falle haftbar machen.
Weil es sich bei Wilhelm II. um einen Kranken han—
delt, wird auch ein redlicher neutraler Gerichtshof, vor

Wilhelm II., wie er' geschildert wird und wie er ist. Von
einem alten Diplomaten. Verlag Cäsar Schmidt-Zürich. 1904.
5*) Oas Privatleben Wilhelm II. und seiner Gattin und ge—
heime Geschichten des Berliner Hofes nach den Papieren und Tage—
büchern Arsula, Gräfin von Eppinghoven, Hofdame JIhrer Majestät
der Kaiserin.

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