Full text : Wilhelm II. als Krüppel und Psychopath

Deutschlands, getreu der Erkenntnisreligion unserer
klassischen Philosophen, das Sinnlich-Bildliche, das in der
Person des Kaisers in den Mittelpunkt der Lebensanschauung
 des Volkes trat, geistig aufzuschließen und den
Lebensgedanken der überindividuellen Gemeinschaft, die
alle Einzelgeister als ihre Glieder in sich trägt, verständnisvoll
 dem wahrheitssuchenden Volke zu vermitteln.
Der Kaiserglaube mußte pädagogisch als Vorstufe der
universellen Entfaltung des Selbstbewußtseins aller Ein⸗
zelnen entschleiert werden.
Aber die führenden Männer hafteten selber an dem
bildlichen Zauber der Macht. Alle die großen Trustmagnaten,
 Mammonskönige der Bank, der Börse, der
Schwerindustrie wollten in ihrem Bereiche so selbst⸗
herrlich schalten wie der Monarch.
Sie schätzten ihn nur als den Mann, der sie mit Glanz
versorgte, auf den sich ihr Ansehen stützen konnte, der
ihnen wider die aufbegehrenden Massen seinen Schutz
verlieh.
Auch das war geschichtlich notwendig.
Der dãmonisch unersättliche Orang nach Macht, der
rasende Kampf um Erwerb und Geltung, der infolge—
dessen die Welt durchflammte, mußte durch die geschichtliche
 Entwicklung, wie es geschehen ist, erst auf die Spitze
des Absurden getrieben werden. Dann drängt das nach
außen so ungebärdig stürmende Leben wieder nach innen
und findet hier sein Königtum.
Andererseits muß festgestellt werden, daß in Deutsch⸗
land der Idealismus der klassischen deutschen Philosophie,
der die schöpferische Vernunft des verinnerlichten Men⸗

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