Aus Gefühlen allein erwächst kein Recht.
Und warum tritt der frühere Generalstab nicht für
Wilhelm II. ein, indem er darauf hinweist, daß der Ex—
kaiser immer wieder versuchte, die grausige Kriegsführung
möglichst zu mildern.
Ein Freund berichtet mir, daß Zeppelin ihm erzählt
habe, daß die Engländer und Franzosen es nur Wilhelm
II. zu verdanken hätten, daß London und Paris nicht
dem Erdboden durch Zeppelin-Angriffe gleich gemacht
worden wären, weil der Kaiser diese geplanten Attacken
für unmenschlich erklärte.
Das Volk kann die Idee der geistigen Macht,
welche die Massen und Einzelkräfte königlich überwaltet,
zunächst nur bildhaft begreifen. Der Monarch erscheint
ihm im Strahlenkreise des Unermeßlichen, das jeder
einzelne als innere Unendlichkeit des Vernunftslebens
keimhaft in sich trägt. Der einfache Mann überträgt so
den ihm noch verborgenen Reichtum seines Innenlebens
unwillkürlich phantasievoll auf seinen König oder Kaiser.
So ist der Monarchenkultus eine notwendige Durch⸗
gangsstufe in der Entwicklung des Selbsterkennens.
Er wird heute zur Lüge, weil der Verstand der Massen
erwacht ist, und weil der Weltverkehr, die Technik, die
großen wirtschaftlichen Notwendigkeiten heute von jedem
einzelnen scharf logisches Oenken erfordern. Immerhin
mochten weite Kreise im Kleinbürgertum und in länd⸗
lichen Gebieten auch in unserem Jahrhundert sich das
Königtum des schaffenden Geistes nur an den Symbolen
des Kaisertums anschaulich machen können. Dann aber
war es die heilige Pflicht der führenden Schichten
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