Full text : Grundriß der Krüppelfürsorge

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Abb. 80. Beispiel für
Fußverlängerung.
Links: Ortho—
pädischer Apparat
bei sehr hochgradiger
Verkürzung mit
künstlichem Fuß.
Rechts: Mäßige
Verkürzung in
äußerster Spitzfuß⸗
haltung mit ein—
gebautem Kork in
den Stiefel.
Fuß einer im Berufe
tätigen Schau—
spielerin.

Die Prophylaxe, d. h. die Vorbeugung des Krüppeltums durch Maßnahmen,
welche die Verkrüppelung verhindern, gehört gleichfalls zu den Aufgaben der
offenen Krüppelfürsorge. Am wichtigsten hierfür ist die Ausbreitung aus—
reichender orthopädischer Kenntnisse in der Arzteschaft selbst. Der Arzt
muß wissen, daß zahllose Krüppelleiden, wie z. B. Klumpfuß, die angeborene
Hüftverrenkung, sofort, nachdem die Diagnose gestellt ist, in Behandlung ge—
nommen werden sollen. Es darf künftig nicht mehr geschehen, daß sich erst schwere
Verunstaltungen herausbilden, die später zu beseitigen unnötig Zeit und Geld
kosten. Der Arzt muß wissen, daß bei den Lähmungen, vor allem der Kinder—
lähmung, die Lähmung als solche häufig nicht so schwer ins Gewicht fällt wie die
durch unzweckmäßige Lagerung entstandenen falschen Gelenkstellungen, deren
Beseitigung manchmal fast unmöglich ist, jedenfalls aber nur unter kostspieligen
Opfern erreicht wird.
Die Hebammen müssen darüber belehrt werden, Neugeborene auf an—
geborene, aber zunächst noch kaum erkennbare Verkrüppelungen zu untersuchen
und namentlich darauf zu achten, daß die Asphyrie der Neugeborenen (Blau—
werden und Atemlosigkeit) eine große Gefahr bedeutet und häufig die Ursache
für angeborene Gliederstarre ist. Hierüber wird im neuen Hebammenlehrbuch
das Nötige gesagt (88 218 und 398). Desgleichen hat der Impfarzt besonders
bei der ersten Impfung sich die Kinder auf Krüppeltum anzusehen.*) Bei der
Rachitis und Gelenktuberkulose kommen als vorbeugende Maßnahmen solche all—
gemein hygienischer Art in Frage, insbesondere auf dem Gebiete der Wohnungs—
hygiene und Ernährung, wo die Krüppelfürsorgestelle auf Anregung des Arztes
in vielen Fällen Besserung durch Vorstellungen bei den örtlichen Behörden wird
erreichen können.

P Das geschieht am einfachsten, wenn grundsätzlich jeder Impfling nackend vorgeführt wird.