Full text : Grundriß der Krüppelfürsorge

Abb. 69. Beispiel für den komplizierten Aufbau einer Lagerungsvorrichtung
zur allmählichen Streckung nach Lähmung gebeugter Hüftgelenke.

Röhrenknochen abspielt und leicht die benachbarten Gelenke mit befällt, ebenso
Entzündungen, die in den den Gelenken und Knochen benachbarten Teilen auf—
treten, Eiterungen, tiefgehende Geschwüre und dgl. mehr. Auch in allen diesen
Fällen können unzweckmäßige Stellung oder Versteifung der Gelenke durch nach—
folgende Operation beseitigt werden, die häufig gar nicht blutig zu sein braucht,
sondern nur in einer Streckung auf geeigneter Lagerungsvorrichtung besteht. Gips—
oerbände und später Apparate sichern das Resultat.
Besonders schwere Gelenkversteifungen entstehen durch Tripper; ebenso kann
die angeborene Syphilis zu umfangreichen Zerstörungen führen. Niemand sollte
eine Ehe eingehen, der nicht durch die heute vorhandenen einfachen Untersuchungs—
methoden sich darüber vom Arzte hat vergewissern lassen, daß er frei von Geschlechts—
krankheiten ist.

5. Verrenkung von Gelenken, besonders der Hüfte.

Die angeborene Verrenkung des Hüftgelenks kann, wenn sie einseitig
ist, nahezu mit Sicherheit, wenn sie doppelseitig ist, mit hoher Wahrscheinlichkeit
unblutig eingerenkt und geheilt werden, falls die Kinder unmittelbar nach der
Feststellung des Leidens dem Facharzt in möglichst frühem Alter (2. bis 3. Lebens—
jahr) zugeführt werden. Gerade hier ist nichts falscher und verderblicher als ab—
warten. Nach dem 6. Lebensjahr ist der Erfolg häufig zweifelhaft. Das Haupt—
symptom ist Hinken, watschelnder Gang und Hervorstehen des Hüftknochens ober—
halb seiner normalen Stelle. Kranke mit unbehandelter angeborener, womöglich
doppelseitiger Hüftgelenksverrenkung sind schlecht daran, weil der Gang nicht nur
unschön, sondern sehr beschwerlich und in vielen Fällen auch schmerzhaft ist. Doch
gibt es Knochenoperationen, welche auch diese Beschwerden beseitigen und den
Gang wesentlich verbessern.
Andere Formen von Verrenkungen bestehen darin, daß das Gelenk schon
aus geringfügiger Ursache sich ausrenkt, so besonders das Schultergelenk. Man