Full text : Grundriß der Krüppelfürsorge

krankt angesehen und
demgemäß behandelt
werden muß. Hierfür
ist das beste die Son—
nen- oder besser
Frischluftbehand—
lung, wenn sie lange
genug, d. h. 13-2
Jahre durchgeführt
wird, namentlich wenn
sie mit innerlichen
Jodgaben, Bierscher
Stauung und künst—
lichen Lichtquellen
vergesellschaftet wird.
Sie braucht nicht im
Hochgebirge stattzufin—
den, was ja sowieso
nur für wenige in Betracht kommt, sondern leistet bei guter technischer Durch—
führung dasselbe auch in der Tiefebene. Nur darf man von der Frischluft—
behandlung allein nicht in jedem Falle alles er—
warten, sondern alle übrigen Methoden behalten
ihre volle Gültigkeit, und es ist die Kunst des
Arztes, sie zweckmäßig miteinander zu verbinden
oder aufeinander folgen zu lassen. In manchen
Fällen kann und muß operativ vorgegangen
werden, so durch Entfernung eines Knochenherdes,
der ein benachbartes Gelenk bedroht oder durch
teilweise bzw. radikale Herausnahme eines schwer
eiternden Gelenkes. Manchmal sieht man nach
solchen Eingriffen plötzlich die gesamte Erkrankung
erlöschen. Knochenoperationen können falsche
Gelenkstellungen nach erfolgter Ausheilung be—
seitigen. Bei der Wirbelsäulentuberkulose bildet
die aussichtsreichste Behandlung das Finck—
sche Gipsbett mit Wattekreuz, das, wenn es
bei dem gar nicht zu übersehenden ersten Auf—
treten der Krankheit angewendet wird, häufig die
Entstehung eines Buckels verhindert oder ihn doch
biel geringer werden läßt. Jedenfalls sollte unter
allen Umständen regelmäßig der Versuch gemacht
werden, dem Kinde eine möglichst gerade Wirbel—
säule zu erhalten. Wichtig ist die Entlastung und
Ruhigstellung der Gelenke durch Streck- bzw.
Gipsberbände, die gelegentlich miteinander

4

Abb. 64. Schema für einen Quengel—
oerband zur Beseitigung einer Finger—
kontraktur.
4 Gipsverband, B Faktiskissen,
C Cramerschiene, D Quengel,
B Lederlasche.