Full text : Grundriß der Krüppelfürsorge

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wird, daß bei dieser Gelegenheit keine
irgendwie geartete Behandlung statt—
findet, oder ins einzelne gehende
Vorschläge dazu abgegeben werden,
sondern lediglich die Krankheit festgestellt
und unter Berücksichtigung aller in
Frage kommenden Umstände entschieden
wird, ob der Krüppel heimbedürftig
ist oder nicht, also der Verpflichtung
des Landesfürsorgeverbandes oder des
Stadt- bzw. des Landkreises zufällt.
Die betreffende ärztliche Stelle, welcher
der Krüppel zugewiesen wird, hat allein
über die Einzelheiten der Behandlung
und die anzuwendenden Methoden zu
entscheiden. Auch den Unterhaltungs—
pflichtigen nicht armenrechtlich hilfs—
bedürftiger Krüppel, welche ihr Kind
dem Landeskrüppelarzte vorzustellen
wünschen, hat dieser nur die Art
der Erkrankung mitzuteilen und den
Rat zu geben, das Entkrüppelungsverfahren bei einem orthopädisch ausgebildeten
Facharzte einzuleiten.
5. Die Bezeichnung „Krüppelfürsorgestelle“ wirkt irreführend, weil darunter
meistens verstanden wird, daß dort nicht nur eine Beratung, sondern auch eine
Entkrüppelung stattfindet. Richtig wäre es,
eine solche Stelle, wo der sachverständige
Gutachter des Fürsorgeverbandes tätig ist,
lediglich als „Krüppelberatungsstelle“ zu
bezeichnen. Diejenigen Stellen, in welchen
ambulant das Entkrüppelungsverfahren vor—
genommen wird, heißen zweckmäßig,Krüppel—-versorgungsstelle“,
 und wenn beide Tätig—
keiten an einem Platze vereinigt sind, heißt
eine solche Stelle „Krüppelberatungs- und
versorgungsstelle“. Es wäre gut, wenn
diese Bezeichnungen von den Behörden,
aötigenfalls vom Volkswohlfahrtsministerium,
vorgeschrieben würden.
6. Für die orthopädische Behandlung
sind zuzulassen nicht nur die Kliniken und
Polikliniken der Krüppelheime, sondern auch
ebenso geeignete Fachabteilungen städtischer
und privater Anstalten. Im Zweifelsfalle
entscheidet die Rücksicht auf den Krüppel

Abb. 47. Aus der Behandlung der doppelseitigen
Hüftgelenkverrenkung. Die Kinder gehen oder wat—
scheln, manchmal auch ganz allein, in Gipsen auf
Stelzen zur Formung von Schenkelkopf und Pfanne.

Abb. 48. Nachbehandlungsschiene für doppel—
eitig angeborene Hüftverrenkung, nachdem
die Hüfte eingerenkt und das Kind aus dem
Gips genommen ist.