Full text : Grundriß der Krüppelfürsorge

wabhalten müssen, zu denen die Eltern mit den Kindern kommen, und zu denen
die zuständige Krüppelfürsorgestelle, die Fürsorgeschwester der Gemeinde sowie
andere geeignete Persönlichkeiten, Lehrer, Sachverständige für einzelne Berufe
u. a. zugezogen werden.
Die deutsche kaäritative und humanitäre Krüppelfürsorge, welche
die bestausgebildete der Welt ist, blickt auf eine nahezu hundertjährige Er—
fahrung zurück und hat außerordentlich hohe Verdienste. Da die Krüppel—
fürsorge das komplizierteste Gebilde innerhalb der ganzen Wohl—
fahrtsbestrebungen ist, kann ihr am besten diejenige Form der Fürsorge
gerecht werden, welche den besonderen Charakter des einzelnen Krüppels und
seine eigenartige Seele berücksichtigt, d. h. individualisiert. Das vermag ganz
besonders gut die karitative Fürsorge, weil sie viel eher als die amtliche das
Schema vermeiden kann; außerdem arbeitet sie erfahrungsgemäß billiger als
jede amtliche Fürsorge. Der erste Gedanke bei Inkrafttreten des Gesetzes wird
nicht der sein dürfen, nunmehr so schnell als möglich irgend etwas Neues zu
schaffen, sondern man wird am zweckmäßigsten und billigsten verfahren, wenn
man die vorhandenen privaten Einrichtungen, die seit vielen Jahrzehnten
freiwillige Träger der Krüppelfürsorge waren und sich als solche unter hohen
Opfern bewährt haben, nach wie vor in Anspruch nimmt und ihre Einrichtungen,
insbesondere ihre Lagerstellen, soweit das möglich und nötig ist, erweitert.
Es ist mit großer Sicherheit anzunehmen, daß, wenn dieses geschieht und gewisse
Entlastungen durch Ausnutzung des Dispenses und Verteilung gewisser Krüppel—
gruppen auf andere An—
stalten eintreten, die vor—
handenen Einrichtungen in
der Lage sind, den Auf—
gaben, die das Gesetz
vorschreibt, zu genügen.
Zu den Verbesserungen in
manchen Anstalten wird ge—
hören, daß man das ärzt—
liche und Pflegepersonal
vermehrt, damit die Besuchs—
ziffern sich steigern, d. h.
eine größere Zahl von
Krüppeln in der Zeit—
einheit durch die Anstalt
hindurchgehen kann.
Die private Initia—
tive, auf welche sich bisher
die Krüppelfürsorge auf—
gebaut hat, hat übrigens
trotz ihrer beschränkten Mittel
so Erfreuliches geleistet, daß
man vohne weiteres an—

Abb. 32. Rechtwinklig knöcherne Versteifung des rechten Knie—
gelenks nach Tuberkulose durch bogen—
förmige Osteotomie und nachfolgende
Quengelung geradegerichtet.