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Kugel ein Bein zerschmettert, einem Arbeiter durch die Maschine eine Hand ab—
gerissen wird, wenn ein gesundes Kind durch eine plötzliche Lähmung niedergeworfen
wird, so kommen sich alle diese nur zu leicht als aus der Gemeinschaft der
Gesunden ausgestoßen vor, die sie gelegentlich dann mit der menschlichen Ge—
sellschaft überhaupt verwechseln; sie ziehen sich in sich selbst zurück, werden
argwöhnisch, neidisch, leicht verletzlich, verschlossen, verbittert, überheblich. Der
Grad dieser seelischen Beeinträchtigung steht nicht immer im gleichen Verhältnis
zur Schwere des körperlichen Leidens; das hängt vom ganzen Menschen, seiner
Nervengesundheit, seiner Bildung, seiner Religiosität, seiner Innerlichkeit,
seiner Erziehung, seiner Umgebung ab. Meist sind sogar Schwerbeschädigte, z. B.
Leute ohne Arme, unbefangener und seelisch gesünder als solche, die ein gering—
fügiges Gebrechen dauernd zu verbergen trachten. Dieses seelische Moment,
über das Weiteres noch im 5. Abschnitt gesagt werden wird, gehört mit zum
Wesen des Begriffes Krüppel, es ist gegebenenfalls von höchster, ja aus—
schlaggebender Bedeutung und darf von keinem Fürsorger übersehen werden.
Deshalb wird nur derjenige, der alles dieses auf einmal erfaßt und gegen—
einander abwägt, in der Lage sein, den besten Entkrüppelungsplan aufzustellen.
Einige Beispiele mögen das erklären: Das Kind eines verständigen und be—
mittelten Mannes bedarf der öffentlichen Krüppelfürsorge nicht, selbst wenn es
ein so schweres Gebrechen wie den angeborenen Verlust eines Armes hat, weil
der Vater sein Kind aus eigenen
Mitteln zu entkrüppeln vermag. Ein
anderes Kind mit mäößiger Skoliose
sann dagegen schon heimbedürftig
kein, wenn es Vollwaise ist oder die
häuslichen Verhältnisse, etwa wegen
Trunksucht des Vaters oder Krankheit
der Mutter oder übergroßer Kinder—
zahl und ähnlichem, seine Belassung
zu Hause unmöglich machen oder es
sittlich und psychisch gefährden oder
wenn das Kind daneben noch taub—
stumm, epileptisch, hochgradig kurz—
ichtig, seelisch schwer mitgenommen,
schwachsinnig und dergleichen ist. In
der Großstadt kann bei günstigen
häuslichen Verhältnissen ein ziemlich
schweres Krüppelgebrechen ambulant
behandelt werden, wenn das Kind
nahe der Versorgungsstelle wohnt,
die Mutter vorsichtig und sorgfältig
und eine Fürsorgeschwester zur Über—
vachung da ist. Wohnt das Kind
aber auf dem Lande, weit entfernt
hon allen Versorgungs- und UÜber—
Abb. 7. Eine der beiden schiefen Ebenen eines
Krüppelheimes, die vom Keller zum Dachgeschoß und
zusammen mit den in den Wald führenden Rampen
allen Pfleglingen es ermöglichen, ohne Benutzung
von Trepypen durch das Haus zu kommen.