Rumpfes oder seiner
Gliedmaßen behinderter
Kranker, bei welchem
die Wechselwirkung
zwischen dem Grad seines
Gebrechens (einschließlich
sonstiger Krankheiten und
Fehler) und der Lebens—
haltung seiner Umgebung
eine so ungünstige ist, daß
die ihm verbliebenen
geistigen und körperlichen
Kräfte zur höchstmöglichen
wirtschaftlichen Selbstän—
digkeit nur in einer Anstalt
entwickelt werden können,
welche über die eigens
für diesen Zweck not—
wendige Vielheit ärzt—
licher und pädagogischer Einwirkungen gleichzeitig verfügt.“
Diese Begriffsbestimmung ist zwar etwas umständlich, aber sie hat dafür den
Vorteil, daß sie nicht nur sofort zwischen „heimbedürftig“ und „nichtheim—
bedürftig“ unterscheidet, sondern vor allen Dingen den sehr wichtigen Hinweis
auf die Wechselwirkung zwischen Krüppelgebrechen und zahlreichen anderen
Nebenumständen gibt, der Schul- und Berufsbildung, der Seele dieses Menschen,
seinem Glauben, etwaigen Nebenkrankheiten, den häuslichen Verhältnissen, ja,
selbst dem Geschlecht, dem Wohnort und seiner Entfernung von der nächsten
Hilfsstelle.
Der Laie kommt dem Wesen der Krüppelfürsorge am nächsten, wenn er sie
als einen Teil der Sozialbiologie betrachtet, d. h. jener ausgedehnten, vorwiegend
ärztlichen Tätigkeit, welche bemüht ist, die vorhandenen Lebenskräfte des einzelnen,
soweit sie gefährdet sind, vor dem Verfall zu bewahren, soweit sie beschädigt sind,
zu steigern, und das Individuum nunmehr nach Maßgabe seiner wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit innerhalb des sozialen Volkslebens dort unterzubringen, wo es
sich am günstigsten für die Allgemeinheit und damit für sich selber auszuwirken
vermag. Ahnliche Gebiete sind die Bekämpfung der Tuberkulose, des Alkoholismus,
der Geschlechtskrankheiten, der Säuglingssterblichkeit, die Schulhygiene, die Rassen—
hygiene, die Fürsorge für Mutter und Kind u v. a.m.
Es soll also nicht ein Fall von Kinderlähmung behandelt und beschult werden,
sondern ein ganz bestimmser Mensch soll in Fürsorge genommen werden, zu
dessen besonderen Eigentümlichkesten es unter anderem gehört, daß er ein gelähmtes
Bein und eine kranke Seele hat. Dieses letztere Moment wird immer noch
übersehen, und doch ist es nur allzu häufig, daß eine körperliche Behinderung auch
auf die Seele und deren Entwicklung abfärbt. Wenn einem Soldaten durch einc