Full text : Grundriß der Krüppelfürsorge

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Abb. 105. Lehrling der orthopädischen Werkstatt mit Fehlen der rechten Hand beim Schmieden,
Feilen und an der Drehbank; war später voll erwerbsfähiger Gehilfe; jetzt verstorben.

gelähmte erlernen auch zweckmäßig Stickerei, und zwar sowohl am Rahmen als auch
an Maschinen und Kurbelstickerei oder Maschinenstricken. Desgleichen können alle
Mädchen in der Bandagenarbeit ausgebildet werden, ebenso im Buchbinden und
Korbmachen. Kerbschnitzarbeit, Brandmalerei, auch Batikarbeit, Weberei
am Witte schen Webeapparat und ähnliche Beschäftigungen sind außerordentlich wichtig
für die Ubung erkrankter oder behinderter Gliedmaßen, führen aber wohl nur in
Ausnahmefällen dazu, ein wirklicher Beruf mit ausreichenden Einnahmen zum
Lebensunterhalt zu sein. Das Wichtigste aber für das Mädchen ist die Ausbildung
in Haus und Küche. Selbst Einarmige oder schwer Bucklige vermögen diesen
Beruf bei gutem Willen vorzüglich auszufüllen. Es sind zahlreiche Mädchen und
auch verheiratete Frauen mit solchen Gebrechen als Vorbilder vorhanden. Natürlich
kommt ein Hausmädchen um so leichter unter, je mehr es auch noch vom Weiß—
nähen, Flicken und Plätten versteht. Nicht unberücksichtigt darf bleiben, in welche
Verhältnisse das Kind nach der Ausbildung zurückkehrt. Geht es wieder aufs Land,
so darf man keinen Beruf wählen, der nur in der Stadt lohnend ist.
Einer besonderen Erwähnung bedürfen die körperlich verkrüppelten
Kopfarbeiter. Hierfür ist natürlich in erster Reihe das vorhandene Maß an In—
telligenz ausschlaggebend. Ist dieses frühzeitig genug festgestellt, so werden sich
heute die Möglichkeiten, dem Kinde eine entsprechende Schulbildung zuteil werden
zu lassen, leichter finden als in den früheren Zeiten. Kaum ein Krüppelgebrechen
ist so schwer, daß es völlig von einem geistigen Berufe ausgeschlossen wäre. Alle
Fakultäten sind dafür geeignet, desgleichen der Volksschullehrerberuf, die
Laufbahn des Bibliothekars, des Bureaubeamten und Kaufmannes. Gute Hin—
weise bietet das Buch von Krais (Stuttgart, Felix Krais-Verlag, 1920).
Grundsatz für die Ausbildung der Krüppel ist, daß man die OQualität ihrer
Arbeit so hoch wie nur möglich zu steigern versucht, damit sie den Mangel an Menge
durch erhöhte Güte der Ware zu ersetzen und so denselben Verdienst zu erreichen
bermögen. Wenn ein Krüppel wegen seines Gebrechens langsamer zu arbeiten