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Abb. 101. Unterricht der weiblichen Zöglinge
in Schneidern, Weißnähen, Flicken, Batikarbeit, Weben, Strickmaschine.
sittliche Gefahren für die halbwüchsigen Kinder bestanden, hat der Krieg uns ge—
lehrt, daß diese grundsätzliche Ablehnung der Fabrikarbeit falsch ist. Es gibt Krüppel
z. B. mit krampfigen Halbseitenlähmungen, Gelenkversteifungen, Amputationen,
eingeschränkter Intelligenz, die niemals ein Handwerk erlernen können, weil dieses
immerhin eine gewisse Vielseitigkeit der geistigen Anpassung und körperlichen
Leistung verlangt. Dieselben Krüppel können aber sehr wohl in der Teilarbeit
der Industrie oder auch des Handwerks beschäftigt werden, weil sie dort z. B. an
der Stanze, an der Revolverbank, an der Bohrmaschine nur einige bestimmte
Handgriffe zu lernen brauchen, die sich immer wiederholen. Ein Junge, der nicht
Tischler werden kann, weil er heute einen Stuhl, morgen einen Küchenschrank
anfertigen muß, kann sehr wohl in einer großen Tischlerei oder Holzbearbeitungs—
fabrik zeitlebens die Hobelmaschine bedienen. Ein Krüppel, der nicht Schlosser
werden kann, weil er heute einen Beschlag für eine Truhe, morgen ein Türschloß
machen muß, kann sehr wohl in der Metallindustrie Einzelbestandteile stanzen,
bohren oder drehen lernen. Von dem Besuch einer Fabrik muß wohl im all—⸗
gemeinen, solange das Kind noch in einem Krüppelheim ist, aus zahlreichen
Gründen abgesehen werden. Dagegen ist es sehr gut, wenn, wie im Oscar
Helene-Heim, die Krüppelanstalt selber eine Fabrik mit den notwendigsten
Maschinen enthält, so daß die Kinder eingearbeitet werden können, ohne der
ärztlichen Aufsicht und der Erziehung in einem Alter zu entbehren, wo sie deren
noch dringend bedürfen.
Von der Industriearbeit sind die geignetsten Einrichtungen diejenigen, die
in kleinen, fast schon in den Begriff der Heimarbeit übergehenden Betrieben
arbeiten, wie etwa die Kleineisenindustrie oder Weberei, Spinnerei, Schuhfabrik,
Metallwarenfabrik, weniger die riesenhaften Anlagen mit vielen tausenden von