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Abb. 99. Buchbinderei. Die Kinder leiden (von links nach rechts) an: Verlust dreier Finger und Ver—
trümmung und Lähmung der beiden übrigen, Oberarmamputation (s. Abb. 104), tuberkulöser Hüft—
gelenksentzündung mit Verkürzung des Beines, Verlust des linken Armes (mit einer Arbeitsprothese
ausgerüstet), seitlicher Rückgratsverkrümmung, allgemeiner Athetose.
Die Frage einer wissenschaftlich einwandfreien Berufsberatung wird um so
dringlicher, als mit dem Ausbau der ambulanten Krüppelfürsorge die Zahl
derjenigen Kinder zunehmen wird, die zu beraten sind, obwohl der Berufsberater
— dem Kinde nicht ver—
fügt. Da die Beratung der Kriegsbeschädigten auch im allgemeinen ausreichend
organisiert ist, und da ferner zu der Kriegsbeschädigtenfürsorge doch in absehbarer
Zeit die Unfallverletztenfürsorge hinzukommen wird, so ist es zweckmäßig, daß die
Verufsberatung der Krüppelfürsorge sich mit diesen beiden zusammentut, um die be—
stehenden Erfahrungen auszunutzen, die Kosten zu verbilligen und zu verhindern, daß
die Friedenskrüppel von den Kriegskrüppeln in den Hintergrund gedrängt werden.
Der Berufsberater muß die oben genannten wissenschaftlichen Methoden
beherrschen und auch die Arbeitsgelegenheiten in Handwerk, Industrie und Handel
innerhalb seines Bezirkes so genau kennen, daß er imstande ist, persönlich um Unter—
bringung seines Schützlings zu werben; deshalb ist eine gute Berufsberatung nur
zu ermöglichen, wenn dafür bestimmte geeignete Persönlichkeiten ausgebildet werden
und zwar für die Kinderkrüppelfürsorge am besten in geeigneten modernen Krüppel—
heimen, die über alle Elemente der Krüppelfürsorge in ausreichender Form ver—
fügen. Mit diesen berufsmäßigen Berufsberatern, die — ähnlich dem Berufs—
bormund — vollamtlich bezahlt sind, hat man in der Kriegsbeschädigtenfürsorge
ausgezeichnete Erfahrungen gemacht. Sie bringen den Krüppel an geeigneter
Stelle unter, sie überwachen seine Beschäftigung, verpflanzen ihn, wenn er ver—
sagt, an eine neue Stelle und entlassen ihn erst aus der Beobachtung, wenn er sich
boll eingearbeitet, Selbstvertrauen gewonnen, Neigung für seinen Beruf erfaßt hat
und zufrieden ist.
Natürlich muß der Berufsberater über den Umfang von Angebot und Nach—
frage seines Bezirkes gut unterrichtet sein, damit er nicht den Krüppel in einem