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Abb. 97. Schneiderwerkstatt. Die meisten Kinder haben gelähmte Beine und gesunde Arme.
und gleichzeitige Einwirkung der verschiedensten Maßnahmen auf Geist und Körper
kommt aber dieser Krüppel dahin, daß er zur selben Zeit wie sein gesunder
Bruder die Gesellenprüfung besteht und ebenso erwerbsfähig ist, wie
jener. Keine andere Art der Fürsorge für den Krüppel vermag das zu leisten.
Wenn er als Kranker zum Zweck der Operation in das beste Krankenhaus kommt,
so vermag ihm dies nicht den Schulunterricht zu geben; er verliert Jahre für seine
geistige Ausbildung. Kommt er nachher in die besten pädagogischen Hände, so
vermögen diese ihm nicht gleichzeitig die Vorschulung für sein späteres Handwerk
zu geben. Er kann, wenn man die einzelnen Bildungsformen räumlich und zeitlich
irennt, niemals zur selben Zeit die Gesellenprüfung machen, wie wenn er im
Krüppelheim weilt, in dem alles, sich gegenseitig durchdringend, enthalten ist,
was zur Erreichung dieses Handwerkes als unumgänglich notwendig erscheint.
Der Grundgedanke, den Krüppel aus einem Almosenempfänger zu einem Steuer—
zahler zu machen, ist von Anbeginn in der freiwilligen Krüppelfürsorge lebendig
und treibend gewesen, und wenn das Gesetz ihn jetzt folgerichtig übernimmt, so
zeigt es damit zu gleicher Zeit auch ganz klar, daß nur die Zusammenwirkung der
verschiedenen in der Krüppelfürsorge einbeschlossenen Arbeitsgebiete imstande ist,
ihn zu erfüllen.
„Arbeit ist Glück, aber nur, wenn sie von Erfolg begleitet ist; Arbeit ohne Erfolg
st ein Unglück“ (Schlee). Damit jemand mit Erfolg zu arbeiten vermag, ist es
notwendig, daß er einen, seinen Kräften und seiner Begabung angemessenen Beruf
ergreift, zu dem ihn außerdem innerliche Neigung treibt. In früheren Zeiten kamen
die Gesunden sozusagen von selbst in ihren Beruf hinein. In dem Maße, wie die
Technik sich entwickelte, vervielfältigten sich die Arbeitsmethoden, und als mit dem
Anwachsen der Arbeiterheere in einzelnen großen Betrieben Wohnort und Arbeits—
ort nicht mehr dasselbe waren, wurden die jungen Arbeiter immer noch mehr ohne
Neigung und Eignung in den Beruf gebracht. Es entwickelte sich daher, um die
Masse der ungelernten Arbeiter nicht noch mehr anschwellen zu lassen, das System
der Berufsberatung, das ganz besonders in der Kriegsbeschädigtenfürsorge aus—
gebaut wurde und zu schönem Erfolg geführt hat.