berbreitet. In drei Auflagen ist sie auch im Ungarischen erschienen. In ihr war
zum erstenmal das Wort ausgesprochen, daß es kein Krüppeltum mehr gäbe, wenn
der eiserne Wille vorhanden wäre, es zu überwinden, d. h. das Geistige betont im
Gegensatz zu der rein materiellen Auffassung einer körperlichen Beschädigung.
Dieser Gedanke ist dann weiter durch zwei ebenfalls in vielfachen Auflagen ver—
hreitete Bücher des Erziehungsdirektors der Anstalt ausgebaut worden, nämlich
durch das Buch „Der Wille siegt“ und dessen Erweiterung „Sieghafte Lebens—
kämpfer“. In zahlreichen Reisen, zweimal auf Aufforderung des General⸗
Jouverneurs nach Belgien, dann nach Wien, Budapest, der Schweiz, und vielfachen
Vorträgen und Veröffentlichungen hat dann der Anstaltsdirektor jene aufklärende
Tätigkeit fortgesetzt, und die Deutsche Vereinigung hat in zwei außerordentlichen
Tagungen im Reichstagsgebäude im Februar 1915 und Februar 1916, die mit
zu den glanzvollsten Veranstaltungen des Krieges gehören, alle beteiligten Kreise
um sich gesammelt, um die immer schwieriger werdende Frage der Kriegs—
heschädigtenfürsorge zu erörtern. Schon im Anfang 1915 waren alle leitenden
Bedanken der Kriegsbeschädigtenfürsorge aufgestellt, die auch heute noch gültig sind.
Die wichtigsten von ihnen lauten: Keine Wohltat, sondern Arbeit für die ver—
krüppelten Krieger. — Zurückschaffung in die Heimat und die alten Verhältnisse,
vomöglich in die alte Arbeitsstelle. — Verstreuung unter die Masse des schaffenden
Volkes, als wenn nichts geschehen wäre. — Es gibt kein Krüppeltum mehr, wenn
der eiserne Wille besteht, es zu überwinden. — Breiteste Aufklärung aller Stände
ist notwendig. — Die Berufsberatung ist in ausgiebigster Weise auszubauen. —
Dder Staat kommt allein für die Führung des gesamten Gebietes in Frage. —
Es steht fest, daß es ohne die Deutsche Vereinigung för Krüppelfürsorge nicht eine
'o frühzeitige und zielbewußte Kriegsbeschädigtenfürsorge mit ihren reichen Erfolgen
gegeben hätte. Manch einer glaubt, daß sich das alles von selber entwickelt hat.
Das stimmt nicht, das Publikum und die Behörden befanden sich durchaus in den
Anschauungen des Krieges 1870,771 und wollten dem Leierkastenmann und dem
Bilderbogenhändler wieder zu Ehren verhelsen und die Kriegsverletzten in Helden⸗
heimen zur Untätigkeit verdammen. Daß die Deutsche Vereinigung für Krüppel⸗
fürsorge dies verhindert hat, bleibt ihr dauerndes Verdienst, und da sie sich dabei
m breiten Umfange auf das Oscar Helene⸗Heim stützen mußte, hat dieses daran
einen vollgemessenen Anteil.
Vor den genannten beiden Veranstaltungen der Deutschen Vereinigung für
Krüppelfürsorge hat unter dem Vorsitz des Anstaltsdirektors der Preußische
Landesverband für Krüppelfürsorge getagt; diese Tagung ist die eigentliche
Beburtsstunde der Kriegsbeschädigtenfürsorge.
Das im Oscar Helene-Heim befindliche Sekretariat der Deutschen Vereinigung
hat dann, stark erweitert, seine Aufklärungsarbeit noch fortgesetzt, indem es die
Sammlungen der Anstalt in reichem Maße benutzte.